Bewusst hat Stefan Leuer in Material und Form äußerlich zunächst eher traditionelle Formen genutzt. Betrachtet man sein Kirchengebäude jedoch genauer ist es ihm gelungen, einen auch für die Erfordernisse der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erneuerten Liturgie entsprechenden Sakralraum zu schaffen. Der unter einem weiten Satteldach liegende Hauptraum greift das Motiv des Zeltes Gottes – ein in der Sakralarchitektur der Erbauungszeit beliebtes Thema – auf, hat aber mit der warmen Farbe der roten Backsteinwände und der durch gestaffelt angeordnete Rundbogenfensterchen zurückhaltenden Belichtung einen gleichermaßen bergenden wie auf das Mysterium, das sich am Altar vollzieht, hinweisenden Charakter. Der bereits in seiner ursprünglichen Form auf einer weit in den Gemeinderaum hineinragenden, nur wenig erhöhten Altarinsel freistehende Tischaltar (gut zu sehen auf Bild 1 der Bildergalerie unten) wurde durch Pfarrer Heppekausen von Anfang an für eine Zelebration zur Gemeinde hin genutzt, wenn auch die vorkonziliare Liturgie grundsätzlich die gemeinsame Gebetsrichtung von Priester und Gemeinde vorsah.
Im Westen ist der mittlere Bereich des Kirchenschiffs zu einer Taufkapelle mit darüberliegender Orgelempore (Bild 2) erweitert und wird von einer modernen Rosette (Bild 3) belichtet und gegliedert, Anklänge an Westwerke mittelalterlicher Kirchen sind erkennbar.
Nicht zuletzt dank des Engagements der Gläubigen konnte in den Jahren nach der Weihe die Ausstattung der Kirche vervollständigt werden; bereits zum Weihnachtsfest 1958 erklang die Orgel zum ersten Mal.
Ort der Gegenwart des Eucharistischen Herrn ist das Sakramentshaus mit dem Tabernakel (Bild 4) in der Apsis. Es ist ein Werk des Siegburger Künstlers Karl-Josef Schneider. Ein silbernes Altarkreuz (Bild 5) aus der Kevelaerer Kunstwerkstatt Polders betont das liturgische Zentrum.
In den 1980er Jahren wurde durch Pfarrer Werner Oster die Kirche umfassend renoviert, dabei der Chorraum und der Hochaltar behutsam modernisiert. In die Amtszeit von Pfarrer Winfried Rameil – damals zugleich Pfarrer an St. Anno –, dem letzten Pfarrer der selbständigen Pfarrei St. Joseph, wurde noch ein Orgelneubau realisiert. Das Werk der Firma E. F. Walcker erhielt am Christkönigsfest 1988 durch den damaligen Siegburger Abt Dr. Placidus Mittler OSB seine kirchliche Weihe.
Der freistehende Glockenturm (Bild 6), ein zylindrischer Kampanile mit flachem Kegeldach, liegt östlich vor der Chorapsis und beherbergt ein Geläut aus drei Glocken.
Von den modernen Sakralbauten unserer Pfarrei gehört St. Joseph zweifellos zu den bedeutenden – die Kirche steht daher auch bereits unter Denkmalschutz – und die Gesamtanlage sicherlich den überzeugendsten Gesamtgestaltungen als steingewordenes Ideal lebendiger Gemeinde geschart um Christus, das Haupt, als seine Glieder berufen Zeugnis zu geben in der Welt.
Jens Kröger