«... dann sollten wir ein gutes Herz haben!

21.06.19 20:00
Diakon Gerd Scholand
1. Sonntag nach Trinitatis (c) Gabi Pöge

Mit der Feier des Fronleichnamsfestes haben katholische Christen die wichtigen Feste des Kirchenjahres abgeschlossen. Ab diesem Sonntag begeben wir uns wieder in den Jahreskreis, der dann mit dem Christkönigsfest im November ein festliches Ende findet.

Immer weniger Menschen unserer Zeit finden einen Zugang zu den christlichen Festen. So treffen Pädagogen in unseren Schulen junge Menschen, die auf die Frage, welcher Religion sie angehören, antworten: „Ich bin gar nichts.“ Weder evangelisch noch katholisch sind Kinder oder Jugendliche getauft. Einen Gott, der die Welt gemacht habe, könne es sowieso nicht geben – wer hätte denn vorher ihn selber gemacht?

Inzwischen gibt es nicht nur konfessionsverschiedene Ehen und nicht mehr nur das Zusammenleben mit nichtreligiösen Kindern. Es gibt auch religiös und atheistisch zusammenlebende Paare. Auch im Innern vieler Christenmenschen gibt es ein Leben mit Gott und ein Leben ohne Gott.

Ob es ein Leben mit Gott und ohne Beziehung zu Gott geben kann, diese Frage stellte vor dreihundert Jahren ein Landpfarrer in einer abgelegenen Gemeinde in den Ardennen. Abbé Jean Meslier lebte bescheiden, sein Bischof schätzte seine Arbeit als Priester, die er mit der Tätigkeit als Schriftsteller verband.

Er hinterließ ein großes Werk der Kritik am Christentum und an jeglichem Gottesglauben und wollte sein Werk erst nach seinem Tod veröffentlicht wissen. Dies geschah unter dem Titel „Das Testament des Abbé Meslier“.

Jede Religion bedarf von Zeit zu Zeit einer radikalen Kritik. So sind die Propheten Israels diejenigen, die einer verkrusteten Priestergesellschaft den Spiegel vorhält und eine Rückkehr zu einem Gott, der für die Menschen da ist, radikal fordern.

Die Botschaft Jesu kritisiert allerdings nicht nur die ver-rückten Gottesvorstellungen im Judentum seiner Zeit. Jesus will rassische, soziale und religiöse Unterschiede unter den Zeitgenossen durch eine zuvor nicht gekannte Einigung überwinden.

„Wenn wir als Christinnen und Christen das Evangelium richtig verkünden, dann sollten wir ein gutes Herz haben.“ (Madeleine Debrêl)

 

In diesem Sinne wünscht eine fruchtbare nachösterliche Zeit

Für das Pastoralteam
Diakon Gert Scholand

 

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