Die Kirche St. Elisabeth (c) Gabi Pöge

Kirche St. Elisabeth

Die Kirche St. Elisabeth gehört – neben St. Servatius, dem Kirchturm von St. Anno, St. Antonius und St. Joseph – zu den denkmalgeschützten Kirchenbauten unserer Pfarrgemeinde. Damit würdigten Stadt und Land die schlichte Schönheit der am 12. Juli 1959 durch Kardinal Frings konsekrierten Kirche.

Heute steht das Gotteshaus eingebunden in die umliegende Bebauung, in fast unmittelbarer Nähe braust der starke Verkehr auf der Frankfurter Straße. Als sie erbaut wurde, davon zeugen die Bilder aus dem Stadtarchiv, schwamm sie wie ein großes, ziegelrot gefärbtes Schiff im Grün der angrenzenden Wiesen. Schön fanden die meisten Deichhäuser ihre neue Kirche nicht und verglichen sie mit ihrer gedrungenen, kräftigen Form mit den Bunkerbauten der erst kurz zurückliegenden Kriegszeiten.

Für das Deichhaus war es der erste Kirchenbau, obwohl seine Geschichte schon in der frühen Neuzeit beginnt. Seinen Namen verdankt es einem Gehöft der ehemaligen Benediktinerabtei, das eingedeicht — Das Deichhaus — bis ins 19. Jh. hinein irgendwo im heutigen Gebiet der Ortslage stand. 1926 wurde das Deichhaus, bis dahin zur Gemeinde Niederplais gehörig, nach Siegburg umgemeindet.

Als man zum Neubau unserer Kirche schritt, waren diese Zeiten schon lange vorbei. Den Entwurf hatte der Kölner Architekt Josef Bernard geschaffen, dessen Arbeiten in der Tradition des großen Kirchenbaumeisters Dominikus Böhm stehen. Bernard verzichtete bei seinen Bauten bewusst auf außergewöhnliche Formenexperimente zugunsten klarer, einfacher Kirchenanlagen, die sich jeweils auf die örtliche Situation beziehen. Als er im Bauverlauf verstarb, konnte sein Entwurf in seinem Sinne zu Ende geführt werden, da er jeden einzelnen Bauschritt zuvor zeichnerisch festgehalten hatte — und Pläne schuf er so, zusätzlich zur Bauleitung und Kontrolle der Ausführungsarbeiten.

Auf seinem Totenzettel steht: „Seine Bauten sind Denkmale der inneren Ehrlichkeit und der unpathetischen Frömmigkeit“. St. Elisabeth selbst wird in der Festschrift zu ihrer Weihe folgendermaßen in den Kontext seiner Bauten eingereiht:

„Die Kirche St. Elisabeth ist als ein Spätwerk des Baumeisters Josef Bernard entstanden. … Die schöpferische Fülle der früheren Bauten ist — St. Elisabeth in Siegburg zeigt es in der Klarheit und Einfachheit des Raumes am deutlichsten — immer stärker eingemündet in einen Verzicht auf alles jenseits des Wesentlichen Liegende, in eine Stille und in sich ruhende Schlichtheit der Architektur, die das Kennzeichen aller großen Spätwerke bedeutender Baumeister ist. Ohne Aufwand, ohne viel Dekor, fast karg und bescheiden, aber von beinahe klassisch zu nennenden Proportionen, dazu von einer auch den anderen bildenden Künsten, insbesondere der Glasmalerei, großartige Möglichkeiten bietenden Raumordnung: Das ist Josef Bernard Kirchbau in Siegburg, der würdig neben die Abtei des hl. Anno und die großartige Stadtpfarrkirche St. Servatius getreten ist — als Denkmal andächtigen modernen Kirchenbaues in unseren Tagen.“

Kircheninnenraum

Ging man in den letzten Wochen in die Kirche, so wird dieser Eindruck bestätigt: Über dem schlichten, klaren Altarraum mit seiner Mensa aus edlem polierten Dolomit-Schiefer (Bild Nr. 1 in der Bildergalerie unten) und der sparsamen, zurücktretenden Ausstattung, leuchten die wundervollen Glasfenster des Glasmalers Paul Weigmann. Sie werden in der Literatur besonders wegen ihrer „jubelnden Farbigkeit“ gerühmt und bilden, zusammen mit dem dezent gefassten Raum, eine qualitätsvolle künstlerische Einheit. Sie zeigen die sieben Werke der Barmherzigkeit — schließlich sind wir in einer Kirche mit dem Patrozinium der hl. Elisabeth.

Als Königstochter in Ungarn geborgen, kam Elisabeth schon als Vierjährige an den Hof der Thüringer Landgrafen und wurde dort mit 14 Jahren dem nur wenig älteren Thronfolger angetraut. Nach dessen Tod auf einem Kreuzzug, Elisabeth war gerade 19 Jahre alt, entsagte sie sowohl ihren drei Kindern als auch ihrem Stand als Landgräfin und widmete sich einem Leben in radikaler Armut. Für die damalige Zeit völlig unverständlich, hat dieser Schritt bis heute nichts an Strahlkraft verloren. Sie wurde zum Symbol selbstloser Nächstenliebe. Als sie 24-jährig in dem von ihr gegründeten Hospital in Marburg verstarb, lebte sie bereits im Ruf der Heiligkeit. Nur vier Jahre nach ihrem Tod wurde sie dann auch kanonisiert. Ihre Grabeskirche ist der herrliche frühgotische Bau, die Elisabethkirche in Marburg. Sie ist u. a. Patronin der Witwen und Waisen, Bettler, Kranken, der unschuldig Verfolgten und Notleidenden; der Bäcker, Sozialarbeiter und Spitzenklöpplerinnen und der Caritas-Vereinigungen.

Unsere Elisabeth-Statue (2) ist ein Schnitzwerk aus Lindenholz des Euskirchener Bildhauers Stefan Plack. Anders als üblich stellte er die Heilige nicht mit ihrer Beigabe aus dem Rosenwunder, dem Rosenstrauß, dar, sondern wählte die Gaben der Barmherzigkeit, den Wasserkrug und die Brote. Er schnitzte sie, so der damalige Zeitungsbericht aus dem Jahre 1964, in nur vier Wochen, damit sie pünktlich zum Patronatsfest aufgestellt werden konnte.

In der Kirche hat sie ihren Platz vor einer architektonischen Besonderheit. Der Architekt Bernard konzipierte als sogenanntes „eingestelltes Haus“ die Werktagskirche (3), die Kapelle St. Elisabeth. Es lohnt sich, den Blick von dem klaren Altarraum loszureißen und sich umzudrehen. Dann erkennt man sofort die „Kapelle in der Kirche“.

Unsere Kirche wäre aber nicht vollständig beschrieben, wenn nicht noch der Künstler und Bildhauer Heinz Gernot benannt würde. Er schuf den Altar (4), das Taufbecken (5) und den Kirchturmshahn (6). Ebenso wie mit dem Architekten Bernard und dem Glaskünstler Weigmann wählte man damit keinen Unbekannten. Mehr als 160 Kirchen stattete der gebürtige Schlesier in der Nachkriegszeit im Kölner Raum aus. So stammt unter anderem die gesamte Innenausstattung des Bonner Münsters von ihm, im weltlichen Raum sei die bronzene Eingangstür des Kölner Rathauses genannt.

Alle drei zusammen – Bernard, Gernot und Weigmann –, schufen die Harmonie des Raums, die St. Elisabeth auszeichnet. Sie ist eine Kirche, bei der sich nicht nur ein zweiter, sondern auch ein dritter und vierter Blick lohnt.

Dr. Andrea Korte-Böger
(in der vorliegenden Fassung leicht gekürzt durch Hans G. Knüttgen)

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