Kirche St. Anno in der Nordstadt (c) Gabi Pöge

Kirche St. Anno/Nordstadt

Schon 1897 sind erste Forderungen nach einem Kirchbau für die Siegburger Stadtteile Aulgasse und Driesch dokumentiert. Das Grundstück – Geschenk des Industriellen/Stadtrats Philipp Hansen – und das Grundkapital des Kirchbauvereins – Immobilien und Kapital im Wert von mehr als 100.000 Goldmark, geschenkt von Elisabeth Kemp – ermöglichten den Bau zwischen Grundsteinlegung 1906 und Fertigstellung 1909 unter Pfr. Adolf Hubert Bamberg, der zeitgleich die Errichtung von St. Dreifaltigkeit in Wolsdorf verantwortete.

Prof. Ludwig Becker, verantwortlich für 300 Kirchneu- und -umbauten und späterer Mainzer Dombaumeister, ist Architekt der ersten Annokirche.

Der Baugrund (Sand mit starker, tragender Tonunterlage) wurde eingehend auf Eignung geprüft und für geeignet befunden. Statt der für Kirchen üblichen Ostung des Chores wurde die erste Annokirche wegen des Grundstücks-Zuschnitts nach Norden ausgerichtet.

Am Pfingstsonntag, 30. Mai 1909, wurde die dreischiffige Hallenkirche mit einem ersten Gemeindegottesdienst gesegnet und in Betrieb genommen, am 10. Juni 1910 wurde sie von Weihbischof Dr. Josef Müller feierlich geweiht.

Das aufwändig geschnitzte Retabel des Hochaltars – auch in der neugebauten Annokirche erhalten – stifteten die Ehe- und Geschäftsleute Fusshöller. Erste Glocken läuteten schon im Sommer 1909, 1917 bereits wurden zwei davon für die Kriegsrüstung eingeschmolzen, die 1926 wiederbeschafft werden konnten. Ein Schicksal, das sich auch im Zweiten Weltkrieg wiederholte. 

An den mächtigen – bis heute erhaltenen – Kirchturm schloss sich das Langhaus mit einem 12 m breiten und 17 m hohen Mittelschiff und schmalen Seitenschiffen an. Den Krieg überstand St. Anno weitgehend unversehrt – doch am 8. März 1945 tötete ein Geschoss acht Messbesucher in der Kirche.

1958 folgte eine umfassende Restaurierung, bei der Pfr. Wilhelm Leonards und Architekt Lob den Altarbereich nahezu so umgestalteten, wie es der späteren Liturgiereform durch das II. Vatikanische Konzil entsprechen sollte: Der Altartisch wurde freigestellt, die Messfeier zum Volk hin war somit möglich.

1967/1968 signalisierten Risse im Gewölbe Handlungsbedarf, Ostern stürzten Mörtelbrocken ab, am 7. April wurde die Kirche wegen Einsturzgefahr geschlossen. Aus Kostengründen wurde beschlossen, das Kirchenschiff abzureißen und neu zu bauen. Die Sprengung des Kirchenschiffs erfolgte am 7. April 1970 unter Pfr. Johannes Schwickerath. Nur der Turm blieb erhalten, obwohl er – wie eine Restauration 2003 bis 2008 ergab – schwerwiegende Konstruktionsfehler hatte.

Unter Bauleitung des Siegburger Architekten und Baumeisters Dipl.-Ing. Karl-Heinz Glasmacher entstand zwischen 19. September 1971 und 1. April 1972 das jetzige moderne Kirchenschiff nach Entwürfen des Kölner Architekten Dipl.-Ing. Werner Fritzen. Der Architekt beschrieb sein Konzept: „Dem Aufriss nach baut sich die Kirche terrassenartig zum Turm hin auf: nach dem Vorraum – untere Stufe – und dem Versammlungsraum der Gläubigen – mittlere Stufe –, findet das Bauwerk seinen Abschluss im krönenden Baldachin über dem Altar.

Am 1. Dezember 1973 erfolgte die Kirchweihe durch Erzbischof Joseph Kardinal Höffner.

Durch den Haupteingang an der Kempstraße öffnet sich dem Besucher ein heller, stützenfreier Innenraum (1), der aus dem Kontrast der geschlossenen Wandflächen und sich darüber in mehreren Geschossen gestaffelt aufbauenden Fensterreihen sowie dem quadratischen Raster der Deckenbalken geprägt wird. Mit dem neutralen Betonton der Wände kontrastieren der rote Fußbodenbelag sowie die dunkle Verbretterung der Deckenfelder.

Raumbeherrschender Mittelpunkt ist der nur um zwei Stufen erhöhte Altarraum, dessen Stirnseite vom alten Retabel des Hochaltars abgeschlossen wird (2). Liturgisches Zentrum ist der Altar mit schwerer quadratischer Mensaplatte (3), den Manfred Saul bereits für den Vorgängerbau geschaffen hatte. Der Ambo (4) ist aus der Kölner Kunstwerkstatt Heinz Gernot. Seine aktuelle Position wurde 1996 festgelegt, damit der „Tisch des Wortes“ mit dem „des Brotes“ architektonisch wie theologisch auf eine Ebene liegt.

Walter Boscheinen

(Quelle zum ausführlicheren Weiterlesen: Karl Heinz Glasmacher, Jens Kröger, Zur Baugeschichte unserer Pfarrkirche, in: Winfried Rameil (Hg.), 100 Jahre Sankt Anno Siegburg, Festschrift zum Benediktionsjubiläum, Verlag Franz Schmitt 2009, S. 19-32)

Anschrift

Kirche St. Anno
Kempstraße 1
53721 Siegburg

Kirchengemeinde St. Servatius

Mühlenstraße 6
53721 Siegburg

In Notfällen:
0152 54136030

Öffnungszeiten:

Mo, Mi        09:30 - 13:00 Uhr
Di                 09:30 - 16:00 Uhr
Do                09:30 - 11:30 Uhr
                     13:00 - 18:00 Uhr
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