8. Türchen

08.12.19 00:01
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Marc M. Kerling

8. Dezember, ein Schäfer am Wegesrand

8. Türchen (c) St. Servatius Siegburg

Er spielt auf seiner Flöte, als ein Mann am Rande der Weide stehen blieb. Seine Schafe weideten um ihn herum. Es war gerade Abend geworden. Er erhob sich und ging zu ihm herüber. 

„Wo ist das Grab des Elias?“, fragte er den Schäfer. „Ist es nicht hier in der Nähe?“ Er antwortete dem Mann: „Ja, es ist dort, unter dem Steinhügel. Jeder, der vorübergeht, nimmt einen Stein und legt ihn darauf.“

Der Mann dankte ihm für die Auskunft und ging weiter. Drei Tage später kam er wieder, aber der Schäfer spielte diesmal nicht auf seiner Flöte, denn er hatte eines seiner Schafe verloren und war betrübt. Schweren Herzens rief er nach dem Mann, denn er suchte Trost. Der aber sah ihn an und fragte ihn: „Spielst Du heute nicht? Und woher die Trauer in Deinen Augen?“ 

„Eins meiner Schafe hat sich verlaufen. Ich habe es überall gesucht und kann es nicht finden. Ich weiß nicht, was ich tun soll.“ 

Der Mann schwieg einen Moment, dann lächelte er den Schäfer an und sagte: „Warte hier, ich werde Dein Schaf suchen!“, verschwand hinter den Hügeln, um nach einer Stunde zurückzukehren. Das verlorene Schaf lief an seiner Seite. Wie er so dastand, betrachtete das Schaf das Gesicht des Mannes wie auch der Schäfer es tat, und der Schäfer umarmte es voller Freude. 

Der Mann legte die Hand auf seine Schulter und sagte ihm: „Von heute an wirst Du es mehr lieben als alle anderen, denn es war verloren und ist wiedergefunden worden.“

Wieder umarmte der Schäfer sein Schaf voller Freude. Es schmiegte sich an ihn, und er war glücklich und schwieg lange. Als er seinen Kopf hob, um dem Mann zu danken, sah er ihn in der Ferne, aber er hatte nicht den Mut, ihm zu folgen. Er wunderte sich über sich selbst und eine dunkle Erinnerung beunruhigte sein glückliches Herz. Es mußte ungefähr dreißig Jahre her sein, er war noch ein Kind, als sein Vater ihm erzählte, es sei etwas ganz und gar unglaubliches geschehen, als er mit seinen Schafen auf dem Feld gelagert hatte, ihn aber nicht geweckt hatte, weil er dachte, er habe geträumt, als der engelsgleiche Gesang von Ferne an sein Ohr gedrungen war. Eine wirklich unscheinbare Geschichte, aber sie hatte seinen Vater nie mehr losgelassen.

Jetzt, als er sein Schaf im Arm hielt, spürte er, daß auch diese Begegnung ihn nie mehr loslassen würde. Und er ärgerte sich noch mehr, daß er dem Mann nicht gefolgt war.

(Frei nach- und weitererzählt nach Khalil Gibran) 

Herr, ich bin auf einem Pilgerweg, immer,

hebe ab und zu einen Stein auf und lege ihn dorthin, 

wo schon einige andere Steine liegen. 

Wer mag sie dort abgelegt haben? 

Wäre ich Dir gefolgt, wärst DU mir damals begegnet? 

Kirchengemeinde St. Servatius

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