Alte Brillen gute Hilfen für Bedürftige

17.11.22, 22:05
Ulrich Tondar

Ortsausschuss Kaldauen startete Initiative

Eine unerwartet große Resonanz hat der Aufruf des Ortsausschusses Kaldauen, nicht mehr benötigte Brillen zu spenden, ausgelöst. Insgesamt 533 Sehhilfen wurden in einen für diesen Zweck im Eingangsbereich der Liebfrauenkirche aufgestellten großen Karton abgelegt.

Sicher verpackt wurden die Brillen inzwischen an die von Ehrenamtlern getragene, nicht auf einen Gewinn bedachte Initiative BrillenWeltweit.de mit Sitz in Koblenz weiter geleitet. Unter Anleitung eines Augenoptikermeisters werden sie dort nun fachkundig überprüft, etwa festgestellte Mängel behoben, mit den notwendigen Angaben – wie Gläserstärke – versehen, verpackt in staub-, wasser- und insektendichten Klarsichtfolien per Paket, Palette oder Container in alle Welt verschickt, also überall dorthin, wo bedürftige Menschen auf funktionierende Seehilfen angewiesen sind; sie werden kostenlos übergeben.

Drei Pakete mit alten Brillen für bedürftige Menschen in aller Welt sammelte der Ortsausschuss Kaldauen. (c) Ulrich Tondar

Ulrich Tondar, der für den Kaldauer Ortsausschuss die Sammlung organisierte, dankt allen Spendern für ihre Bereitschaft, sich von ihren Brillen zu trennen. Das war ihnen nicht immer leicht, weil damit oft eine wichtige Lebenserinnerung verbunden war.

Eine Seniorin erzählt: Bald nach Beginn des Jahres 1945 mussten ihre Großeltern mit ihrer Familie wegen der immer näher kommenden russischen Armee ihre Heimatstadt Gleiwitz (Schlesien) fluchtartig verlassen. Die Mutter mit ihren vier Kindern fand noch einen Platz in einem völlig überfüllten Eisenbahnwagen, der in Richtung Westen fuhr; der Vater machte sich mit einem Pferdefuhrwerk auf den Weg. Am vereinbarten Treffpunkt westlich der Oder wartete die Familie vergeblich zwei Wochen auf den Vater. Sie musste also alleine weiter und kam nach vier Monaten schließlich in Lüneburg (Niedersachsen) an. Fast täglich ging die Mutter in den nächsten Wochen zur Stadtverwaltung in der Hoffnung, auf den dort aushängenden Informationsblättern etwas über den Verbleib ihres Ehemannes zu erfahren. Es war Samstag, der 22. Dezember 1945, 8.15 Uhr, als sie wieder einmal vor dem Schwarzen Brett des Rathauses stand. Wegen der noch nicht ausreichenden Lichtverhältnisse konnte sie aber die Schrift nicht entziffern. Ein Mann, der hinter ihr stand, kam ihr zur Hilfe und reichte ihr wortlos seine Brille. Als sie sich umdrehte, um ihm zu danken, erkannte sie ihn: Es war ihr langgesuchter Ehemann. Verständlich, dass sie die Brille Zeit ihres Lebens als wertvolles Andenken in Ehren hielt.

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