Braucht es eigentlich Priester?

24.06.22, 09:00
Dominik Grässlin

Also nicht mehr Männer von dieser Sorte, sondern das Priesteramt an sich? Vielleicht irritiert Sie diese Frage, weil Sie es für selbstverständlich halten. Ein Medium titelte letztes Jahr: „Debatte über Abschaffung von Priesteramt in katholischer Kirche“. Eine solche Schlagzeile lässt aufhorchen, gerade wenn man (umsonst?) zu dem fraglichen Beruf unterwegs ist. Was war passiert? Auf dem „Synodalen Weg“ wurde beantragt, man möge „sich mit der Frage auseinandersetzen, ob es das Priesteramt überhaupt braucht“. Der Antrag stammt aus dem Forum „Priesterliche Existenz heute“ – kurioserweise, möchte man sagen. Denn womit will sich ein Forum „Priesterliche Existenz“ eigentlich beschäftigen, wenn für die Mitglieder kein Priestertum existiert? Was ist von einem Text über „Priesterliche Existenz“ zu halten, der offen lässt, ob es das Priestertum „überhaupt braucht“? Ist „priesterliche Existenz heute“ eine Nicht-Existenz? Dies hielt die Mehrheit der Synodalen offenbar für möglich: 95 stimmten für den Antrag, 94 dagegen, 9 enthielten sich. 

Zugegeben: die Abstimmung ist knapp ausgefallen. Ein schwacher Trost, wie ich finde. Nicht weil ich mich gerade mit drei Mitbrüdern auf das vorbereite, was hier in Rede steht. Nicht weil es keine Priester gäbe, die es wirklich nicht „braucht“, etwa weil sie ihre Stellung missbrauchen. Nicht weil man nicht fragen darf, wozu es das Priestertum eigentlich gibt. Sondern weil der Antrag auf das „Brauchen“ abstellt (wer auch immer hier braucht oder nicht braucht). „Brauchen“ wir den Priester für irgendetwas? Ist er eben für etwas notwendig, was eigentlich auch jeder andere könnte? Ein Funktionär, der eine unerklärliche Lücke füllt?

Wozu aber gibt es dann Priester? Ich möchte einmal so antworten: Weil Jesus Christus Priester war! Er war nicht Priester aufgrund von Abstammung oder Amt, aber weil er sich geopfert hat am Kreuz, um uns zu erlösen. Priester bringen Gott Opfer dar. In der Hingabe für die Seinen am Kreuz war Christus beides zugleich: Priester und Opfergabe. Denn er hat dem Vater nicht etwas gegeben, sondern sich selbst! Wir hören es in jeder Messe: Am Abend vor seinem Leiden war er mit seinen Jüngern beisammen. Er hat nicht alle Anhänger zusammengetrommelt, sondern die intime Gemeinschaft mit den Zwölf gesucht. Beim Mahl nahm er sein Opfer vorweg und sprach: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“. Damit hat er im Abendmahlssaal nach unserem Glauben nicht nur die Eucharistie, sondern auch das Priestertum eingesetzt. Gott braucht offenbar Priester – für die Menschen! Er ge-braucht sie buchstäblich, um sich selbst gegenwärtig zu machen in unserer Welt und Zeit. Ich freue mich, dass ich mit Ihnen diese Gegenwart Gottes feiern darf. Danken wir Gott gemeinsam für das große Geschenk seiner Gegenwart!

An der Schwelle der Weiheexerzitien grüßt Sie herzlich 

Ihr Dominik Grässlin

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