Die römische Kirche ist wie ein schwerer Ozeandampfer

15.07.22, 05:39
Gert Scholand

Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,

die Zeichen der Zeit zu erkennen und sie im Licht der Frohen Botschaft Jesu Christi zu deuten, das ist zu allen Zeiten bleibender Auftrag der Kirche. In diesem Jahr sollte des 60. Jahrestages der Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils durch Papst Johannes XXIII. erneut erinnert werden. Er war es, der wirklich die Zeichen der Zeit erkannt hatte und im Alleingang gegen den Widerstand der ihn umgebenden Kardinäle !! den Konzilsbeginn auf den 11. Oktober 1962 verkündete.

Im Januar 1971 versammelten sich im Würzburger Dom! Vertreter aus dem Klerus und Laien zur Eröffnung der gemeinsamen Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland. Papst Paul VI. erinnerte in seinem Grußwort an die Mitglieder der Synode, sie möchten die Zeichen der Zeit richtig verstehen. Ja, die Mehrheit der Synodalen sind den Worten des Papstes gewissenhaft gefolgt, haben in 8 Vollversammlungen und vielen kleineren Arbeitsrunden bis November 1975 sachkundig gestritten, unter den besonders ungeklärten Themen gewissenhaft abgewogen und dann beschlossen. Es haben natürlich nach Beendigung des 2. Vatikanums in der gesamten Weltkirche Synoden stattgefunden, um die Ergebnisse des Konzils auf die jeweils nationalen Kirchen zu übertragen und somit Erneuerungen in der praktischen Seelsorge spürbar zu machen. Doch ein so schwerer „Ozeandampfer“, mit dem ich die römische Kirche vergleichen möchte, bewegt sich nicht wie ein Schnellboot. In der Lenkungscrew auf der römischen Brücke wie auch in nicht wenigen diözesanen Beibooten steuerten verstärkt die Traditionalisten und die Reformer wurden nicht ans Kirchensteuerrad gelassen. International geriet der Kirchendampfer in seichtes Gewässer, Missbräuche unter Priestern und anderen Kirchenmitgliedern kamen ans Tageslicht, in nicht wenigen Bistümern wurden Geheimakten unter Verschluss gehalten, Täter höchstens intern in andere Pfarreien oder Bistümer versetzt, über Jahrzehnte keine öffentlichen Anklagen, wie es strafrechtlich notwendig gewesen wäre. Die Würzburger Synode war für die römische Kurie und auch für die meisten Bischöfe der deutschen Diözesen nur eine Episode. Durch die Einführung des Codex des kanonischen Rechts von 1983 waren die Beschlüsse dieser Synode aufgehoben! Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) verhandelten dann zunächst in weit auseinanderliegenden Zeitabständen bis 2019, ob eine neue Synode in der deutschen katholischen Kirche durchgeführt werden solle oder ein synodaler Prozess. Ergebnis war der Synodale Weg. Die nächste Synodalversammlung wird in diesem September in Frankfurt/Main gestartet. Werden Bischöfe und durch Taufe und Firmung zum gemeinsamen Priestertum berufene Laien wirklich auf Augenhöhe miteinander diskutieren und Reformen beschließen?

Doch jetzt in der Mitte der Sommerferien wünscht für die zweite Hälfte gute Erholung!

Diakon Gert Scholand 

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