Ein Brief aus Brasilien ...

02.01.21, 11:56
  • Sternsingen
Martina Sedlaczek

Liebe Siegburger AMAREfreund/-innen!

Es schreibt Euch Johannes Skorzak, gebürtiger Rheinländer aus Siegburg. Ich selbst verbrachte nach dem Tod meiner Mutter einen Teil meiner Kindheit im Waisenhaus. Deswegen wollte ich immer etwas für Kinder tun, die keine Eltern haben, die sich um sie kümmern. Aus diesem Grund bin ich auch als kleiner Junge Sternsingen gegangen. Vor 40 Jahren bin ich dann nach Brasilien ausgewandert, wo damals eine schwere Hungerskatastrophe und viel Elend herrschte.  

In der Stadt Esperantina, im Nordostens Brasiliens, habe ich, über viele lange Jahre, mit Eurer grossartigen Unterstützung und der Sternsingeraktion, das Zentrum für notleidende Kinder und Jugendliche „AMARE“ aufbauen können. Alles lief gut und auf vollen Touren zu Beginn des Jahres 2020. Wir fieberten gespannt unserer 30  Jahrfeier im Juni entgegen. Die Vorbereitungen dazu waren schon im Gange.

Doch es kam alles ganz anders, als wir geplant hatten. Als die Pandemie ausgerufen wurde, mussten wir 464 Kinder und Jugendliche auf unbestimmte Zeit nach Hause schicken.  

Franciscos Zuhause (c) AMARE Esperantina

Seitdem gehen sie auch nicht mehr  zu Schule, spielen nicht mit ihren Freunden. Die meisten aber haben kein Zuhause und haben nicht den Schutz einer Familie.  Nach Schließung unseres Kinder- und Jugendzentrums magerten immer mehr von ihnen dramatisch ab. Sie litten Hunger, wirkten abgeschlagen und ihre Augen hoffnungslos.

Uns bei AMARE wurde schnell klar, wie dringend die Kinder Halt für ihre Seele und zu essen benötigten! Die Pandemie wütete heftig bei uns in Esperantina. Viele Mitarbeiter, darunter auch ich, wurden krank. Die Hilfe der Regierung dauerte lange, um zu den Armen zu gelangen. Wir mussten handeln. Unsere Lebensmittelreserven wurden ausgeräumt und an die Hungernden verteilt. Zu unserem grossen Glück hatten wir kurz zuvor Eure Spenden und die der Sternsinger über das Kindermissionswerk erhalten.

AMARE wurde regelrecht neu erfunden. Wir nahmen uns die ganz schlimmen Kinderschicksale vor, für die unsere Hilfe zum Überleben absolut notwendig sein würde. Trotz weit verbreiteter Angst vor Corona fehlte es nicht an Mutigen, die dieses Risiko auf sich nahmen. Seit Ostern haben unsere fleißigen Köchinnen wochentags mittlerweile insgesamt über 18.000 (!) warme Mittagessen bereitet und 2.010 Pakete mit Lebensmitteln und Spielsachen gepackt. Auf ihren Motorräder bringen unsere Lehrerinnen sie dann in die Hütten am Stadtrand und in den nahen Urwald. Bei diesen Blitzbesuchen bekommen sie allerhand mit.

Durch die Quarantäne sind einige gezwungen, zu Hause mit Menschen zusammen zu sein, die eine Gefahr für sie darstellen, weil sie sie schlagen, missbrauchen, vergewaltigen und Hunger leiden lassen.  

Francisco mit Famiie vor seiner Hütte (c) AMARE Esperantina

 Gelegentlich bin ich mit dabei, wenn die Lebensmittelpakete ausgetragen werden. Einmal erblickte ich einen Jungen im Winkel des Hinterhofes. Er hockte am Boden, zusammen gekauert, sein Körper voller Striemen, Zeugen dafür, dass er brutal misshandelt worden war. Vorsichtig fragte ich ihn: „Francisco, was ist los? “ Er blickte zu mir mit Tränen in den Augen und stammelte: „Meine Mutter hasst mich. Sie will, dass ich sterbe.“ Seine Geschichte hat uns bewegt. Danach haben wir einen psychologischen Notdienst für Kinder und Eltern eingerichtet. Francisco war nur einer von einer ganzen Reihe.

Wir bemühen uns, persönlichen Stützunterricht, Musikkurse, Geschichten erzählen für die Kleinen u.v.a.  in Whatsappgruppen weiterzuführen. Wir stellten aber fest, dass viele meninos überhaupt gar keinen Zugang zu einem Handy besitzen.

Voller Sehnsucht nach dem Kindertrubel, träume ich in ruhigen Augenblicken davon, dass es endlich wieder los geht. Das stelle ich mir so vor:

Wir feiern gemeinsam, Kinder und Erzieherinnen im Schatten unserer Grünanlagen, einen Dankgottesdienst. Es singt unser Kinder- und Jugendchor und es spielt unsere Jugendband. Danach steht ein Spielefest auf dem Programm. Die Kinder verspeisen ein extra grosses Schokoladeneis. Meninos und meninas lachen und toben ausgelassen und laut. Sie strahlen vor Freude. Dann ist alles Schlimme, so hoffe ich, vorbei.

Von Herzen danken wir Euch für Euren Einsatz für arme Kinder und die Hoffnung, die Ihr ihnen damit schenkt. Ein frohes und gesegnetes neues Jahr!

Esperantina (PI), Brasilien, im Dezember 2020

                                                                 Euer Johannes Skorzak

 

Unterstützung von AMARE

Wir unterstützen das Waisenhaus AMARE mit einem Teil unserer Sternsingergelder.

Wer die Arbeit von AMARE zusätzlich noch unterstützen will, kann auch direkt auf das Konto des Siegburger Fördervereines überweisen:

Förderverein Amare e.V. IBAN: DE35 3706 9520 4111552016  
BIC: GENODED1RST  VR-Bank Rhein-Sieg

 

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