Gedenken an Pfarrer Paul Sauer

05.07.21, 11:54
Peter Börner

Zwischen dem rheinischen Siegburg und der niederschlesischen Kreisstadt Bunzlau (heutiger polnischer Name: Bolesławiec) besteht seit Jahrzehnten eine enge Beziehung, geschaffen 1953 durch die Übernahme einer Patenschaft über die heimatvertriebenen Bunzlauer und seit 1993 ergänzt und erneuert durch eine Städtepartnerschaft.

Ich selbst hatte Gelegenheit, über viele Jahre den Schüleraustausch zwischen dem Gymnasium Alleestraße und dem polnischen Partner-Gymnasium zu organisieren. Kirchliche Ausdruck des Bezugs zu Bunzlau war eine Fahrt, die ich früher mit Firmlingen in den Kreis Bunzlau gemacht hatte und ist heute vor allem der Gedenkstein neben St. Servatius für den Bunzlauer Märtyrer-Priester Paul Sauer, der 1946 den Misshandlungen der polnischen Geheimpolizei erlag. In diesem Jahr ist also ein Gedenkjahr, der 75. Todestag, zugleich Erinnerung an seine Priesterweihe vor genau 100 Jahren im Dom zu Breslau.

Gedenkstein für Pfarrer Sauer an der Servatiuskirche (c) Peter Börner

An Pfarrer Sauers Grab auf dem Bunzlauer Kommunalfriedhof fand, angeregt durch die Bundesheimatgruppe Bunzlau, an seinem Todestag, dem 24. Juni, eine kleine Andacht statt. Hier in Siegburg war Pfarrer Wahlen so freundlich, in der Sonntagsmesse in St. Anno am 27. Juni seines verstorbenen Amtsbruders zu gedenken. Und ich habe die Umgebung des Gedenksteins wieder etwas hergerichtet und hinter dem Metallschild ein eingeschweißtes wetterfestes Infoblatt angebracht. So kann sich jeder Passant, der will, ein Bild machen, an welche Person und welches tragische Schicksal hier erinnert wird.

Warum das alles?

Die Sache hat meines Erachtens einen durchaus aktuellen Bezug!
Die ersten Sätze auf meinem Infoblatt zu Pfarrer Sauer lauten nämlich:

Ein zu Recht verehrter katholischer Priester. […] Fast täglich ist in unseren Medien vom Versagen katholischer Geistlicher die Rede. Gänzlich unerwähnt bleibt, dass es zu allen Zeiten vorbildliche, ja hervorragende Priester gab und gibt, in denen der Geist des Christentums und die Sendung der Kirche aufleuchtet. Einer von ihnen war der schlesische Pfarrer Paul Sauer. 

Ich sehe es so, und das ist mir ein Anliegen: In der veröffentlichten Meinung und in der Öffentlichkeit insgesamt ist bei aller berechtigten und notwendigen Kirchenkritik viel zu wenig von den guten, wertvollen, segensreichen (ja!) Seiten der Kirche und überhaupt des christlichen Glaubens die Rede. Wer sich nicht auskennt bekommt ein total einseitiges Bild von unserem Glauben, von unserer Kirche und von unseren Priestern. –  Ich bin fest davon überzeugt: Es nützt wenig, wenn wir den Missbrauch und ähnliches Schlimmes in der Kirche aufdecken und aufarbeiten, dabei meist mit den Fingern auf andere zeigend, ohne die Fülle an Gutem und Segensreichem wahrzunehmen und zu bezeugen, die der Geist Jesu durch die Kirche und auch durch unsere Priester in der Welt gewirkt hat und wirkt, keineswegs nur auf karitativem Gebiet.

Bei uns in Siegburg denke ich z.B. an den unvergesslichen Pfarrer Rameil (meines Erachtens ein verborgener Heiliger). Ich denke auch an andere überzeugende, achtenswerte und liebenswerte Seelsorger, die ich in meinem Leben kennenlernen und erfahren durfte (ich bin viel in Deutschland herumgekommen), ich denke ebenso an die zahlreichen unbekannten Männer und Frauen und Kinder, die als Christen gelebt haben und leben, ich denke natürlich auch an die kanonisierten und nicht kanonisierten Heiligen, katholisch, evangelisch und orthodox, die ich mir der evangelische Kirchenhistoriker Walter Nigg  in seinen Schriften sehr beeindruckend erschlossen hat. 

Foto von Pfarrer Sauer (c) Peter Börner

Die Veröffentlichung meiner Kurzbiografie von Pfarrer Sauer kann, so hoffe ich, einem größeren Kreis als den wenigen Passanten am Gedenkstein das Gemeinte am Beispiel eines unserer Priester deutlich machen. Anspornend und Mut machend habe ich am Schluss meines Textblatts geschrieben:

Er war ein Seelsorger, der in einer schwierigen historischen Situation unter Einsatz seines Lebens seine priesterliche Aufgabe wahrgenommen hat – ungeachtet von Konfession oder Nation. Er hat Respekt, ja Verehrung verdient

Ihr
Peter Börner

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