Haltungen und Taten

11.10.19 13:06
Karl-Heinz Wahlen

Es ist jetzt vier Jahre her. Ich hatte im Fernsehen die Bilder vom Schrecken des Krieges in Syrien und der vielen Flüchtlinge gesehen: Und ich hatte überlegt, was machst Du eigentlich, wenn welche bei Dir vor der Tür stehen und nach Obdach fragen? Könntest Du sie abweisen bei 140 qm Wohnraum? Was erwartet Gott von Dir, damit sein Wort auch bei Dir wahr ist? Fremde Leute in den eigenen vier Wänden, kein schöner Gedanke für mich damals. Ich habe dann beim persönlichen Gebet immer denn Satz dabei gehabt „lieber Gott, wenn es dann mal so ist, lass mich die richtige Entscheidung treffen“!

Und dann war es soweit. Vor vier Jahren am 8. Oktober 2015 standen Hamudi und Jailan vor meiner Tür. Ich hab‘ sie aufgenommen und sie haben vier Monate bei mir gewohnt, das Leben geteilt. Jailan war schwanger und am 8.12.15 kam der kleine Abdin zur Welt. Ich wurde auf einen Schlag „Opa“, mit viel Freude und auch Ratlosigkeit (wie geht man so einem kleinen Würmchen um?). Ich durfte ihn halten, trösten und zum Lächeln bringen – ein Geschenk!

Bald wird Abdin vier Jahre alt, er ist im Kindergarten, erzählt mittlerweile (manchmal ein bisschen viel), hat einen kleinen Bruder bekommen, sein Vater hat die Ausbildung zum Maler und Lackierer erfolgreich abgeschlossen und arbeitet in einer Firma. Die Familie hat eine eigene Wohnung und versteht sich mit den Nachbarn, ist – wie man heute so sagt – gut integriert. 

„Die haben mit Ihnen Glück gehabt“, hat mir mal eine Frau gesagt. „Nein“, habe ich geantwortet, „ich habe Glück gehabt!“

Mit dieser Familie hat Gott mich beschenkt. Ein Geschenk, das mich verändert hat. Wertvoll ist nicht das, was ich in meinen Gedanken für wertvoll entdeckt habe, sondern wertvoll ist das, was ich mit anderen Menschen an Gutem teilen kann! 

Und wenn ich an die Probleme denke, die mich bis dahin im eigenen Leben und in der Gemeinde beschäftigt haben, so habe ich festgestellt, dass diese nichts sind im Vergleich zu dem, was andere wirklich bedroht an Leib und Leben!

Gott hat mich an dieser Stelle geheilt, ich bin ihm dankbar dafür. 

28. Sonntag 2019 (c) Gabi Pöge

Wenn nun im Evangelium vom Sonntag von den zehn Geheilten die Rede ist, von denen nur einer zurückkommt um zu danken, so ist dies nicht der Anlass, mich als Dankendem über andere, die nicht dankbar sind (sein können) zu erheben, sondern um darüber nachzudenken, was gibt es noch für andere Lebenssituationen für die ich Gott danken kann. Da fallen mir wahrscheinlich auch nur eine von zehnen ein.

In den Messen mit Pfarrversammlung am Wochenende hören wir das Evangelium von der Taufe Jesu. Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter spricht Gott zu jeder und jedem. Zuspruch und Ansporn zugleich, im Leben die Liebe Gottes zu entdecken und weiter zu schenken.

Meint Ihr Pastor
Karl-Heinz Wahlen

P.S. Es ist Donnerstag Morgen und ich lese in der Zeitung von dem Terrorangriff in Halle und dem Einmarsch der Türkei in die Kurdengebiete in Syrien. Das Böse in der Welt hört nicht auf, die Aufgabe der Jüngerinnen und Jünger Jesu bleibt es, darauf mit Haltungen und Taten der Gewaltlosigkeit zu antworten.

Kirchengemeinde St. Servatius

Mühlenstraße 6
53721 Siegburg

In Notfällen:
0152 54136030

Öffnungszeiten:

Mo, Mi        09:30 - 13:00 Uhr
Di                 09:30 - 16:00 Uhr
Do                09:30 - 11:30 Uhr
                     13:00 - 18:00 Uhr
Fr                  09:30 - 12:00 Uhr

Neuigkeiten

Offene Kirche und Schatzkammer

12. November 2019 15:16
Verkaufsoffener Sonntag und Karnevalsstart in der Innenstadt. Auch die Pfarrkirche hatte ihre Tore offen.
Weiter lesen

Unser Gott ist „kein Gott von Toten, sondern von Lebenden“

8. November 2019 17:14
Gedanken zum sonntäglichen Evangelium im Vorwort des "miteinander" diese Woche von Diakon Kerling.
Weiter lesen

Empfehlen Sie uns