Jakobsweg Tag 10 - Kultherberge

28.07.20 19:00
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Die Jakobspilgerin
Tag 10 - Start im Dunkeln (c) Die Jakobspilgerin

Ich werde morgens wach mit dem Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Es ist total stickig in dem kleinen Raum, gefühlt ist kein Sauerstoff mehr vorhanden. Ich stehe auf, mache mich fertig und bin schon um kurz vor sechs unterwegs. Es ist noch dunkel, aber der Weg einfach, geradeaus auf einem Waldweg, parallel zur Straße. Selbst auf so einsamen Wegen habe ich nie Angst verspürt, es ist mir nicht mal "mulmig" zumute, was mir spät abends alleine in Städten schon öfters war.

Tag 10 - Himmelleuchten (c) Die Jakobspilgerin

Ich habe jetzt noch 4 Tage Zeit, am 5. muss ich zurück nach Porto. Ca. 45 km sind es noch bis Santiago, also Minimum 2 Tage. D.h. die mal angedachte Tour noch zu Fuß nach Finisterre (90 km) wird in diesem Jahr nichts mehr. Ich kann es also jetzt noch gemütlicher angehen lassen und den Schlenker über das Kloster Herbón laufen. Die Pilgerherberge dort, in einem Franziskanerkloster gelegen, wird als "Kultherberge" und "Oase des Friedens" beschrieben. Das reizt mich.

Tag 10 - typische Bar (c) Die Jakobspilgerin

Nach knapp drei Stunden erblicke ich voller Freude eine Bar, bestelle mir ein tortilla bocadillo und einen cafe con leche und lese meinen Tagesimpuls:
Lass uns deine Herrlichkeit erfahren. Bekröne du selbst den Menschen. Fülle unsere Orte der Stille mit deinem Glanz, der auch unserem Leben zu unvergänglichem Glanz verhilft.

Es wird keine ruhige Pause, die Madriderin und ihr Sohn kommen, eine kanadische Familie und eine Deutsche - so wird sich wie üblich ausgetauscht. Dann brechen wir nach und nach auf und ziehen weiter. 

Tag 10 - Fluß Ulla (c) Die Jakobspilgerin

Die Deutsche, Jennifer, will auch den Umweg übers Kloster Herbón nehmen, so dass wir die 5 km bis dahin zusammen laufen. Der Weg zum Kloster ist traumhaft, am Fluß Ulla entlang, ein kleiner Wasserfall - gegen elf Uhr sind wir bereits am Kloster Herbón - 19 km für mich heute.
Dort wartet schon Grace, Amerikanerin. Die Herberge öffnet jedoch erst um vier Uhr, aber wir können unsere Rucksäcke schon rein stellen und man empfiehlt uns die Dorfkneipe, einen Kilometer weiter im Ort selbst (einen Laden gibt es nicht).

Tag 10 - Warten in der Dorfkneipe (c) Die Jakobspilgerin

Grace ist 37, alleine und hat wohl das gemacht, was man Karriere nennt. Dann hat sie die Sinnkrise gepackt, war es das jetzt? Wenn noch Familie und Kinder, dann bleibt nicht mehr viel Zeit. Also hat sie ihren Job gekündigt und ist auf Weltreise gegangen, Geld wäre genug da. In Europa läuft sie jetzt mal eben den portugiesischen Jakobsweg. 
In der Kneipe trifft sich gefühlt das ganze Dorf nach der Sonntagsmesse, beste Stimmung, der Wirt spendiert ne Runde Tapas und hat stilechtes Bier.

Tag 10 - Zufahrt Kloster Herbón (c) Die Jakobspilgerin

Wir schlendern nochmal zum Fluß Ulla hinunter, kühlen unsere Füße und sind kurz vor vier wieder am Kloster, wo gut 20 weitere Pilger warten, die Hälfte sind frisch gebackene Abiturienten aus Deutschland, dabei auch die drei Mädels aus Tui. Beim Einchecken bekommt jeder den Programmablauf: Um sechs Uhr Führung, um acht Messe, anschließend gemeinsames Abendessen.

Tag 10 - Kreuzgang Kloster Herbón (c) Die Jakobspilgerin

Die Herberge wird vom Franziskanerorden  in Kooperation mit freiwilligen galicischen Hospitaleros betrieben. Pedro, schon Rentner, führt uns durch die Klosteranlage und erzählt uns ihre Geschichte, alles ist super gepflegt und im Sommer kommen oft Pfadfindergruppen zum Zelten hier her. Dann feiern wir alle zusammen die Messe, das erste Mal, dass ich das so mit anderen Pilgern erlebe. Am Ende werden wir alle vor den Altar gebeten und bekommen eine Urkunde mit einem Segensgebet. Das geht unter die Haut und wir sind alle sehr gerührt.

Hochaltar - Kirche Kloster Herbón (c) Die Jakobspilgerin

Das Gebet wird in allen anwesenden Pilgersprachen vorgelesen:
Liebe sei dir das Licht der Hoffnung auf deinem Weg.
In deinem Herzen herrsche Frieden.
Güte sei das Siegel deines Lebens.
Der Glaube stärke dich angesichts der Geheimnisse des Lebens.
Und wenn das Ziel erreicht ist, umarme dich die Liebe allezeit.
Sei glücklich und mache deine Mitmenschen glücklich.

Tag 10 - Die Köchinnen (c) Die Jakobspilgerin

Und das machen uns die beiden Hospitaleras dann direkt mal vor. Zwei durch und durch fröhliche und liebe Damen, die mehrere Töpfe Linsensuppe zubereitet haben und uns nun beköstigen. Sie sind das, was man die gute Seele des Hauses nennt, denn mit ihrer Lebenserfahrung erkennen sie im Laufe des Abends sehr schnell, wer etwas Zuspruch benötigt, wer noch Tipps für seine Blasen brauchen kann und wer noch einen Nachschlag Pudding vertragen könnte.

 

Tag 10 - gemeinsames Pilgermahl (c) Die Jakobspilgerin

Wir Pilger genießen den Service und die bunte Runde, eine Japanerin ist dabei und die belgische Familie (habe ich schon mal irgendwann gesehen) mit ihren drei Kindern. Heute komme ich definitiv nicht mehr zum Lesen, denn obwohl eigentlich um zehn Uhr Bettruhe ist, wird es elf, bis wir alle schlafen gehen.
Ein toller Abend!

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