Jakobsweg Tag 11 - Da waren wir zu dritt

31.07.20, 19:00
  • Jakobsweg-Blog
Die Jakobspilgerin
Tag 11 - Zweibettzimmer Kloster (c) Die Jakobspilgerin

Ich werde erst um kurz vor sieben wach. Was es doch ausmacht, quasi ein Zweibettzimmer zu haben (auch wenn die Kammer nur mit einem Vorhang zum Flur abgetrennt ist). Der Duft von Toast und Kaffee verbreitet sich im Haus, denn auch das gehört hier im Kloster Herbón dazu: Den Pilgern ein Frühstück zu bereiten. Es gibt keinen festen Preis, am Ausgang steht eine Spendendose, jeder gibt, was er kann und was er meint.

Tag 11 - Ponte Santiago in Padrón (c) Die Jakobspilgerin

Es wird acht Uhr bis wir starten - Jennifer und ich wollen zusammen laufen, da wir beide in Padrón noch den Abstecher zum "Jaköbchen vom Berge" machen wollen. Jennifer hat eine schwere Erkrankung hinter sich, sie hatte Darmkrebs, und der Jakobsweg war ein sehr spontaner Entschluss, nur wenige Wochen vorher. Die Erkrankung und alles, was damit verbunden war, hat bei ihr viele Fragen aufgeworfen, auch in ihrer Ehe. Wo ist noch Platz für Gefühle, was ist alles nur noch Routine? Was will ich mit dem mir geschenkten zweiten Leben machen?

Tag 11 - Santiaguiño de Monte (c) Die Jakobspilgerin

Die Miniwallfahrt (ca. 500 Meter für uns) zum Santiaguiño de Monte führt 260 Meter über 114 Stufen auf einen Berg hinauf. Der Legende nach muss man sie ohne Pause bewältigen, um später in den vollen Genuss der Gnade zu kommen. Auch wenn wir beide das nicht ganz ernst nehmen, gehen wir doch in einem durch bis zur letzten Stufe - man weiß ja nie. Dort oben, an genau der Stelle, soll der Apostel Jakobus seine erste Predigt auf spanischem Boden gehalten haben.

Tag 11 - Schattenweg (c) Die Jakobspilgerin

Am Ortsausgang Padrón trinken wir noch einen Kaffee und checken die Strecke. In einem Gewaltakt könnte man heute noch die 22 km bis Santiago schaffen, aber wofür? Vielleicht ist es besser, den Weg quasi auslaufen zu lassen. Jennifer läuft ein wenig langsamer als ich, dafür hat sie bisher keine einzige Blase gehabt. Die Belastung ist beim langsameren Gehen wohl nicht so stark. Wie war das dieser Tage im Impuls: Geduld ...

Tag 11 - Schafstall (c) Die Jakobspilgerin

Ich erzähle Jennifer von meinen Impulsen und lese ihr den heutigen vor: 
Herr, deine Größe ermuntere mich zu Großzügigkeit, deine Liebe lehre mich, Gutes zu tun, deine Freude sei mir Ansporn, anderen Freude zu bereiten.
Der Kaffee tat gut und wir brechen wieder auf. Schon nach wenigen Metern sehen wir vor uns die belgische Familie bei einer Schafherde stehen.

Tag 11 - Hochaltar Kirche Santuário de A Escravitude (c) Die Jakobspilgerin

Die Älteste (15 Jahre) ist voll genervt, dass der kleine 9 jährige Bruder nur rumjammert. Ich habe gestern Abend mit der Mutter erzählt, finde es bewundernswert, wie sie mit drei Kindern hier laufen. Da ist mein "alleine Gehen" echter Luxus. Die Große besucht die Europaschule in Brüssel, spricht perfekt Deutsch und die Eltern sind einverstanden, dass sie mit uns vor geht. Über Handy ist sie mit ihnen in Kontakt und genießt sichtlich die "Erwachsenengespräche" mit Jennifer und mir.
In der Kirche des kleinen Örtchens A Escravitude bekommen wir vom netten Küster einen Stempel für unser Pilgerheft.

Tag 11 - Mariendarstellungen (c) Die Jakobspilgerin

Bei der Marienstatue denke ich wieder:  Warum wird Maria immer so lieblich, wie ein Engel oder eine Fee dargestellt? Nach der Verkündigung durch den Engel marschierte sie ins Gebirge, wo Elisabet wohnte. Bei der Hochzeit zu Kana bittet sie Jesus, dem Gastgeber zu helfen und befiehlt als Gast (!) den Dienern "Was er euch sagt, das tut!" Sie war also eher kess und hatte Durchsetzungsvermögen, als dass sie so "süßlich/lieblich" war.  Und sie war eine Frau, die zäh war, hochschwanger auf einem Esel zur Volkszählung unterwegs, nach der Geburt die Flucht nach Ägypten. Zu all dem gehörte schon mehr als ein engelsgleiches Lächeln .

Tag 11 - Brunnen Fuente del Carmen (c) Die Jakobspilgerin

Anselm Grün bezeichnet die Jungfrau, die ein Kind gebiert, sogar als die höchste Form von Emanzipation, die sich denken lässt: Jungfrau als Symbol für den Beginn einer neuen Schöpfung ... von Gott sollen wir schwanger werden, von ihm unsere Lebendigkeit erhalten, so legt er es aus.
Vielleicht symbolisiert das Liebliche ja Marias Bereitschaft, sich von Gott anrufen zu lassen, mitten im Alltag und ihm zu vertrauen. Bereit für ihn zu sein. Die gebotene Lebendigkeit annehmen, ohne wenn und aber.

Tag 11 - Herberge in Faramello (c) Die Jakobspilgerin

Um kurz vor eins sind wir an der Herberge in Faramello. Die drei Mädels und die Japanerin sind schon da, sie waren nicht auf dem "Jakobsberg". So sind wir Nummer 5 und 6, warten noch eine Stunde, bis geöffnet wird. Der "Rest" der belgischen Familie trifft erst gegen drei Uhr ein und hat Glück, es gibt noch genau 5 freie Betten. Dann wie jeden Tag: Duschen, Wäsche waschen, und für manche Tagebuch schreiben.

Tag 11 - Abendessen (c) Die Jakobspilgerin

Gegen fünf gehen wir einige hundert Meter zurück in einem Lokal, das wir beim Kommen gesehen hatten, noch etwas essen. Groß ist die Auswahl nicht, Makkaroni con carne meine heutige Wahl. Und ein kühles Bier, das muss. 
Danach lese ich vor der Herberge noch etwas Teresa, kann mich aber nicht gut konzentrieren. Immer wieder blitzt "morgen sind wir schon da"  in meinem Kopf auf. Ich könnte gut noch zwei Wochen weiterlaufen. Bevor die Wehmut zu stark wird, gehe ich ins Bett und schlafe, Gott sein Dank, schnell ein.

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