Jakobsweg Tag 2 - Atlantikweg

04.07.20 19:00
  • Jakobsweg-Blog
Die Jakobspilgerin
Tag 2 - Atlantik am Morgen (c) Die Jakobspilgerin

Ich habe 5 1/2 Stunden durchgeschlafen - eine gute Nacht, dafür, dass wir zu 8 im Zimmer waren. Um sechs Uhr bin ich die Erste die aufsteht, packe alles in meinen Schlafsack und trage ihn mit dem Rucksack leise in den Flur. Dann geht es ins Bad, hinein in die Tagesklamotten, alles im Rucksack verstauen, Wasserflaschen auffüllen, Wanderschuhe schnüren, 1 großes Glas mit einer Magnesium/Calcium-Tablette und eine Orange zum Frühstück und los geht es.
Vor der Herberge raucht ein junger Berliner seine Morgenzigarette, er läuft mit einem Kumpel  und sie fanden den Weg von Porto hier hoch ätzend - also war mein Entschluss, direkt vom Flughafen aus zu starten, wohl gut.

Tag 2 - Holzweg am Meer (c) Die Jakobspilgerin

Auch heute geht es am Meer entlang, wie gestern meist über Holzplanken. Meerrauschen, salzige Luft, Fischgeruch und an den Fingern noch den Geruch der Orange: Die Sinne stellen sofort auf Urlaub um, mein Körper entspannt sich.

Nach gut einer Stunde mache ich eine kleine Rast und lese meine Tageslosung: 
Du legst deine Hand auf unsere Schulter und gehst mit uns. So kann es hell werden, in uns und um uns. Wir sind gesandt. Aber wir gehen nicht allein. Wir danken dir dafür.

Tag 3 - Brücke in Vila de Conde (c) Die Jakobspilgerin

Als ich weitergehe, kann ich die Hand auf meiner Schulter fast spüren und fange automatisch an, eines meiner Lieblingslieder zu singen, dass meine Stimmung just in diesem Moment genau trifft: Meine Seele ist jetzt ganz still in Gott und ich spüre seine starke Hand, die mich hält.  
Gut zwei Stunden bin ich unterwegs und mein Magen, der bisher nur eine Orange hatte, knurrt heftiger. Ich erreiche Vila de Conde, laufe über die Brücke über den Fluß Ave ein paar Meter in die Stadt hinein und finde hier auch endlich eine Bar.

Tag 2 - ausgiebiges Frühstück (c) Die Jakobspilgerin

Nach 10 Kilometern ist eine ausgiebige Pause dran mit einem belegten Brötchen und zwei Milchkaffee. Jetzt muss ich mich entscheiden, laufe ich noch ca. vier Tage den "neuen" Weg an der Küste entlang oder gehe ich ins Landesinnere und treffe dort in ca. 11 km auf den "alten" Weg? Ich entscheide mich für den alten Weg da ich hoffe, dort mehr von Land und Leuten mitzubekommen, hier an der Küste gibt es außer dem Meer wenig Eindrücke. Also sind es noch 13 km bis zur nächsten Herberge im Landesinneren, in Rates, daher hole ich mir im kleinen Supermarkt neben der Bar noch Marschverpflegung.

Tag 2 - BLumen in frischer Erde (c) Die Jakobspilgerin

Das heutige Tagesevangelium (vorhin beim Kaffee gelesen) hängt mir beim Weitergehen noch nach: Niemand setzt ein Stück neuen Stoff auf ein altes Kleid und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche, sagt Jesus. Und was machen wir in der Kirche, in den Gemeinden vor Ort? Wir haben Ideen und denken uns Neues aus - setzen es aber innerhalb der alten Strukturen und mit dem alten Personal um. Die Blumen können auch nur gedeihen, wenn sie gute, gedüngte Erde haben.

Tag 2 - Materialpflege (c) Die Jakobspilgerin

Mein wertvollstes Material sind meine Füße und so pause ich am Ortsausgang von Touguinhó noch einmal, lüfte die Füße und creme sie ein (Hirschtalgcreme, damit sie weich bleiben und nicht scheuern), trockne die Socken, esse einen Apfel und schmunzle: Deo wird überbewertet ;-).
Gegen zwölf Uhr geht es weiter, ich stoße auf 6 andere Pilger, eine Frau läuft schon in Sandalen, schwer humpelnd schleicht sie vorwärts. Fußpflege ist das A und O und so wechsle ich nach einer Stunde nochmals die Socken -  ich bin seit einigen Kilometern nur auf Kopfsteinpflaster unterwegs. Endlich stoße ich auf den alten Camino und weiß: Nur noch knapp 3 km - ich wechsle in die Trekkingsandalen.

TAg 2 - Kirche in Rates (c) Die Jakobspilgerin

Heute lief ich fast den gesamten Tag an Maisfeldern vorbei, hier nördlich von Porto gibt es viel Landwirtschaft.
Dann erreiche ich Rates, lese an der Kirche, dass abends Messe ist und laufe erst mal quer durch das Örtchen zur Herberge, die sehr gepflegt ist. Oberhalb entdecke ich eine kleine Kapelle, aber erst will ich duschen.

Tag 2 - Herberge in Rates3 (c) Die Jakobspilgerin

Ich bekomme das Einzige `nicht Etagenbett´ im Zimmer (was super ist, kein Klettern, kein Knarzen über mir und kein Wackeln) und verteile den Inahlt meines Rucksackes auf dem Bett. Nachmittägliches Programm: Duschen, Wäsche waschen, in der prallen Sonne trocknet sie schnell. Ich setze mich noch ein paar Minuten in die kleine Kapelle, lasse den Tag Revue passieren und mir kommen wieder die alten Schläuche in den Sinn. Auch bei uns Ehrenamtlern gibt es altes Personal, das aus seinen festgefahrenen Strukturen nicht rauskommt, auch hier geht es allzu oft um Machterhalt und Kontrolle. Manchmal treffen solch unterschiedliche Lebensweisen aufeinander, dass die Skepsis zu groß ist, als das man sich auf gemeinsames Tun einlässt.  Das alles ist weit von Jesu Botschaft entfernt.

Tag 2 - Portwein und Torte (c) Die Jakobspilgerin

Neben der Herberge ist ein kleiner Laden - ich kaufe Tomate, Thunfisch und Mais, mache mir einen leckeren Salat und setze mich in den Innenhof. Tagebuch, Routenplanung, Wäsche abnehmen. Als ich zur Kirche runter gehen will, singen die drei Hospitaleros einer ungarischen Pilgerin gerade ein Geburtstagsständchen, auch ich gratuliere, es gibt Portwein (aus einem großen Kanister aus dem Vorrat eines der Hospitaleros) und Kuchen. Eine ältere Pilgerin gesellt sich dazu, sie ist mit ihrem 17 jährigen Enkel unterwegs. Die Oma ist den Camino Frances 7x gelaufen, jetzt fahren sie Teiletappen mit dem Taxi, da sie nicht mehr so kann.  Ich reiße mich los ...

Tag 2 - Igreja de Sao Pedro (c) Die Jakobspilgerin

... und komme noch pünklich zur Messe, die Kirche ist voll (Samstag Abend), Junge und Mittelalte, ein paar ganz Alte, ein uralter Pastor mit drei mittelalten Mänern als Messdiener, eine Frau und ein Jugendlicher lesen. 70% der Gottesdienstbesucher empfangen den Leib Christi mit Mundkommunion, die Helfer halten bei der Austeilung eine Schale unter die Hände, um herabfallende Partikel aufzufangen. Ich fühle mich in die Kindheit meiner Eltern zurückversetzt, sowas kenne ich nur aus ihren Erzählungen.
Von den rund 30 Pilgern in der Herberge entdecke ich eine weitere hier in der Messe. 
Zurück in der Herberge packe ich meinen Rucksack für morgen früh und liege kurz vor zehn im Bett, 23 Kilometer waren es heute.

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