Jakobsweg Tag 3 - Sonnentag

07.07.20 19:00
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Die Jakobspilgerin
Tag 3 - Der Tag erwacht (c) Die Jakobspilgerin

Ich bin gestern Abend schlecht eingeschlafen. Um zehn Uhr war, wie immer in den Herbergen, Bettruhe, aber durch das offene Fenster (was ein muss ist, wenn so viele Menschen in einem Raum schlafen) schallte der Lärm der Autos herein, die über das Kopfsteinpflaster vor der Herberge "bretterten". Irgenwann klappte es dann doch noch und ich schlief bis 5 Uhr früh. Als ich das ungarische Päarchen aufstehen höre, schließe ich mich an - nur einmal Geraschel im Schlafsaal - packe mein Hab und Gut wieder in meinen Schlafsack und sortiere es im Flur.

Tag 3 - Sonnenaufgang (c) Die Jakobspilgerin

Um viertel vor sechs bin ich unterwegs und kann so einen tollen Sonnenaufgang erleben. Der Liedruf "Geh mit uns, auf unserm Weg" kommt mir in den Sinn. Ihn singend und summend marschiere ich vollkommen glücklich und gelöst in den Morgen hinein. Der Weg führt mich durch schöne Wälder und ich genieße den Duft des Morgens.

Tag 3 - Die Berge kommen näher (c) Die Jakobspilgerin

Nach zwei Stunden mache ich die erste Pause, leider gibt es in dieser Einsamkeit keine Bar für einen Milchkaffee. Heute wird es warm, schon jetzt um acht Uhr fangen die Füße an zu "drücken". Ich pflastere den rechten Fuß vorsorglich unter dem Ballen, ziehe trockene Socken an, frühstücke ein Brötchen und eine Orange und lese meinen Tagesimpuls:

Der Friede ist ein unüberbietbares Gut. Er beginnt im eigenen Herzen und kann sich von dort in unsere Familien, Häuser, in unsere Kirche und in die Welt ausweiten.

Tag 3 - Kopfsteinpflaster (c) Die Jakobspilgerin

Über Kopfsteinpflaster geht es stetig weiter von Örtchen zu Örtchen, zwischen den Feldern her. Ich habe einen Tiefpunkt, schleppe mich gerade durch einen kleinen Ort und denke "Es war lange kein Pfeil mehr", als ein Wagen neben mir hält. Ein uralter Mann mit unzähligen Zahnlücken erklärt mir, dass ich zu weit gelaufen sei, ich solle die nächste rechts nehmen. Erst als ich nach 5 Min. wieder eine Wegmarkierung sehe, bin ich mir sicher, ihn richtig verstanden zu haben. Wie sagte Theresa von Avila: "Gott hat keine anderen Hände als unsere". Heute hatte er wohl keine andere Stimme als die des alten Mannes. Danke, das hat mir einen großen Umweg erspart!

Tag 3 - Barcelos (c) Die Jakobspilgerin

Um zehn Uhr (nach 17 km) erreiche ich Barcelos, eine kleine Stadt, die man sich lt. Pilgerführer ein wenig näher anschauen soll. Der Kopf sagt weiterlaufen, bevor es noch heißer wird, die Füße und das Herz wollen bleiben und sie siegen. Ich mache eine ausgedehnte 2stündige Pause, gehe durch das archäologische Freilichtmuseum, in die Kirchen Matriz und Bom Jesus, erfahre warum die meisten Andenken hier einen Hahn zeigen (Die Geschichte des Hahnes von Barcelos) und komme endlich zu meinem Milchkaffee - und einem Schinkenbrötchen.

 

Tag 3 - Erfrischung (c) Die Jakobspilgerin

Nach einer ausgedehnten Pause gehe ich gestärkt gegen zwölf Uhr weiter, die 9 km bis zur nächsten Herberge schaffe ich sicher auch in der Mittagszeit. Aber bald schon merke ich, dass die Sonne sehr stark ist und ich ein bissel das Zeitgefühl verliere - ich torkele mehr vor mich hin als dass ich wandere. Wie gerufen kommt da ein erfrischender Brunnen. Ich mache Rast, trockne meine schon ganz eingeweichten Füße, pflastere zwei Schwachstellen noch einmal neu ab und creme die Füße wieder gut ein.

Tag 3 - Mais und Wein (c) Die Jakobspilgerin

In trockenen Socken geht es weiter, während die feuchten, mit einer Sicherheitsnadel befestigt, außen am Rucksack zum Trocknen baumeln. Maisfelder und Weinstöcke, kein Schatten, knallende Sonne. Am Abend werde ich trotz Hut leichten Sonnenbrand im Gesicht haben. Ich erblicke einen großen Stein und mache erneut eine Pause, vier Pilger (einer war auch gestern in der Herberge) ziehen stöhnend vorbei, selbst der übliche Gruß untereinander "Bom Caminho" wird nur gehaucht.

 

Tag 3 - unerbittliche Sonne (c) Die Jakobspilgerin

Ich raffe mich auf, "nur" noch gut 2 km. Im Örtchen Portela de Tamel soll die Herberge hoch oben neben der Kirche liegen, deren Läuten ich schon ganz schwach vernommen habe. Also noch einmal alle Reserven mobilisieren und zum letzten Anstieg für heute. Es zieht sich ewig lang den Berg hoch, ich habe meinen Kopf abgeschaltet, einfach nur Schritt für Schritt. Halb drei, die Kirchenglocke erklingt wieder, ganz nah!! 

Tag 3 - Pilgerherberge in Portela de Tamel (c) Die Jakobspilgerin

Eine letzte Kurve und ich habe es geschafft! Die 26 km heute waren grenzwertig für mich. Als ich eine gute halbe Stunde später geduscht bin, meine Wäsche gewachen habe und ein kühles Super Bock (portugisiesches Bier) trinke, geht es mir schon viel besser. Ein schöner Aufenthaltsraum in der Herberge lädt zum Pilgerplausch ein: Mit einer Ungarin und deren Tochter, die z.Zt. mit dem Erasmus-Programm für ein halbes Jahr in Köln zum Studium ist, mit einem höllandischen Ehepaar das heute von Barcelos los ging und hier schon stoppte, da sie nicht mehr konnte und einem jungen dt. Pilger (Sebastian), der auch gestern in derselben Herberge war. Zwei junge Italienerinnen, auch gestern mit in der Herberge, trudeln später ebenfalls noch ein.

Tag 3 - Pilgermenü (c) Die Jakobspilgerin

Am Abend belohne ich mich mit einem hervorragenden Pilgermenü im Restaurant gegenüber der Herberge (8 Euro) und einem weiteren Bier. Tagebuch und Wegplanung für morgen (wir wollen alle früh los, da es über 30 Grad werden sollen) und dann falle ich wohlig erschöpft ins Bett und spüre etwas von diesem Frieden in meinem Herzen. 

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