Jakobsweg Tag 4 - Kontakttag

10.07.20 19:00
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Die Jakobspilgerin
Tag 4 - Diesiger Start (c) Die Jakobspilgerin

Früh bin ich mit den Ersten auf den Beinen und wir wecken Sebastian, der vor den Schnarchern auf die Coach in den Aufenthaltsraum geflüchtet ist, wo wir nach der morgendlichen Katzenwäsche unsere Sachen sortieren. Eigentlich wollte er im Morgengrauen mit los, aber nicht jeder ist früh am Morgen schon willensstark.

Tag 4 -Märchenwald (c) Die Jakobspilgerin

Ich mache mich um kurz vor sechs als 3. auf den Weg. Es ist total diesig und fühlt sich wie Nieselregen an. Aber trotz des Dunstes ist der Weg sehr schön. Nach Feldwegen geht es in ein kleines Wäldchen hinein - wie im Märchenwald - fehlen nur noch die Feen und Kobolde, die hinter den Bäumen hervorspringen.

Tag 4 - Überschwemmung (c) Die Jakobspilgerin

Heute habe ich einen guten Lauf und komme sehr gut voran. Der Weg bleibt einsam, ab und an kreuzt er eine Mini-Ortschaft. An einem Ortsausgang, schon wieder auf dem Feldweg, kommt mir plötzlich Wasser entgegen - ein richtiger Bach. Nach ein paar Metern erkenne ich: Hier wird gerade ein Maisfeld gewässert und der Überschuss läuft seitlich über den Weg ab.

Tag 4 - Kirche in Vitorino dos Piaes (c) Die Jakobspilgerin

Dahinter mache ich eine kleine Pause - Zeit etwas zu essen und meine Tageslosung zu lesen:
Lass uns ein Tropfen deines Segens sein, Gott. Wie ein warmer Frühlingsregen lass uns leicht und unbeschwert zur Erde fallen, die wir freundlich durchtränken, mit all dem Guten, das unser Tropfen zu geben hat. Lass uns wie ein Tropfen sein, Gott, der der Erde guttut. Darum bitten wir.

Heute früh kommen sehr sehr viele Tropfen vom Himmel.

Tag 4 - Die Sonne kommt hervor (c) Die Jakobspilgerin

Nach 14 km sehe ich vor mir einen Pilger und "laufe auf" - Hans, ein Saarländer. Ich drossle mein Tempo und wir laufen eine Zeitlang zusammen, smalltalken etwas, staunen beide über den Ochsenkarren und haben das Gefühl, eine Zeitreise gemacht zu haben. Nach knapp 3 km kommt eine Bar und ich endlich zu meinem Milchkaffee. Hans stoppt mit und kurz darauf gesellen sich noch zwei Französinnen mittleren Alters dazu.

Tag 4 - Eingeholt (c) Die Jakobspilgerin

Bald schon breche ich auf - gegen zehn knallt die Sonne schon sehr stark und Hans geht mir zu langsam, vl. passt das Tempo der Französinnen besser zu ihm. Eine gute Stunde später holt mich Sebastian ein, er ist drei Kaffee und eine Stunde nach uns losgekommen und will nächste Nacht mal richtig schlafen. 

Tag 4 - Am Ufer des Lima (c) Die Jakobspilgerin

Daher hat er sich übers Internet ein Privatappartement in Ponte de Lima gebucht, 2 Schlafzimmer 34 Euro. Da seine junge deutsche Bekanntschaft (aus der Herberge gestern) lieber in die Pilgerherberge will (soll man es als Korb bezeichnen?),  bietet er mir das 2. Schlafzimmer an. Ich greife zu, die Aussicht auf eine ruhige Nacht ist zu verlockend. Um eins sind wir in Ponte.

Tag 4 - Brücke Velha in Ponte de Lima (c) Die Jakobspilgerin

Auf dem Markt holen wir uns eine Melone und legen uns ans Ufer des Lima, ins Appartement können wir erst um drei Uhr. Ponte de Lima ist mit die älteste Ortschaft Portugals und berühmt für seine mittelalterliche Brücke, die Ponte Velha (277 Meter lang und 4 Meter breit).
Sebastian bezeichnet sich selber als Agnostiker, er bewundert Menschen, die glauben können, er könne das nicht. Findet es toll, dass ich auf dem Weg Tagebuch schreibe. Mit seinen 25 Jahren ist er schon Vater einer 4 jährigen Tochter, wohnt aber mit der Mutter nicht zusammen. Auf dem Camino wollte er das Rauchen aufhören, raucht aber aus Langeweile noch mehr als sonst. Er ist unruhig, steht ständig mal kurz auf, geht ein paar Schritte, setzt sich wieder.

Tag 4 - Appartement1 (c) Die Jakobspilgerin

Mir wird in dem Moment nochmal sehr klar, wie glücklich ich sein kann, dass ich es gut mit mir selbst aushalte. Ich genieße die "Langeweile" auf diesem Camino zutiefst.
Um drei bekommen wir am vereinbarten Treffpunkt den Schlüssel fürs Appartement und dann wird erst einmal ausgiebig in einem tollen Badezimmer geduscht. Die Zimmer sind sehr schön und selbst einen kleinen Balkon gibt es.

Tag 4 - leerstehende Häuser (c) Die Jakobspilgerin

Auch unsere Kleidung freut sich über ein bissel Luxus: Heute keine Handwäsche, sondern ein Waschgang in einer Maschine! Als die Wäsche zum Trocknen hängt, schlendern wir noch was durch die Altstadt, in der viele Häuser leer stehen und genießen noch ein paar leckere Tapas mit einem Bier. Zurück im Appartement versorge ich nochmal meine erste Blase (Sch....) und schaue mir die morgigen Kilometer an, 24 waren es heute.

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