„Mer maache e Leech aan !“

16.11.21, 14:50
Klaus Stock & Marc M. Kerling

Im strömenden Regen war die gesamte Kompanie der Siegburger Funken Blau-Weiss zur Anno-Kirche gezogen, aber das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Menschen lagen in den Fenstern und schauten zu. Fackelträger begleiteten den Zug und erinnerten ein wenig daran, dass der 11te im 11ten auch zugleich der Martinstag war. Das klingende Spiel des Musikzuges wurde schließlich vom Geläut der Glocken ergänzt, als alle in die Kempstraße einbogen und die Kirche betraten – auch die Zelebranten des Festgottesdienstes, denn sie waren vom Rhein-Sieg-Forum aus mitgegangen und zogen sich nun die bereitgelegten Gewänder an. 

Bergkapelle (c) Guido Bach

Die Bergkapelle (auf der Orgeltribüne im Hintergrund) übernahm und füllte mit einem festlichen Stück das Gotteshaus. Entsprechend begrüßte Diakon Kerling die „Trötemänner und -fraulück“, die „Schwestere und Bröder und Pänz“, als Funken und Kinder Gottes in die Kirche gerufen, um als große Gemeinschaft zu spüren, wie gut das tut, als „große Familie“. 

Diakon Kerling im Altarraum (c) Guido Bach

Viel war nämlich vorbereitet, geprobt und organisiert worden, damit dieser besondere Festgottesdienst entsprechend gefeiert werden konnte, von 2G und zusätzlichem Test sowie durchgängiger Maskenpflicht, bis hin zu den verschiedenen beteiligten Musikern, Funken durch die Generationen hindurch, die mitgestalteten, ob Lesung, Fürbitten oder – ein ganz neuer Versuch – die „Trialog“-Predigt. 

Dabei führten der Funkenadjutant Klaus Stock und Pastor Wahlen zunächst einen Dialog, der schließlich von Diakon Kerling von der Orgelbühne aus befeuert wurde: So wurde deutlich, dass gerade heute in der immer noch corona-geprägten Zeit mit all ihren Beeinträchtigungen und Belastungen sowohl Kirche als auch Karneval für die Menschen so wichtige Funktionen erfüllen: Die Kirche, „öm de Minsche Trus zo jevve“, und der Karneval, „öm denne jet Freud zo maache“. Pfarrer Wahlen als „Don Camillo“ und „der blaue Klaus“ als „Don Promillo“, standen somit stellvertretend für die Institutionen, die hier gemeinsam feierten und hörten, was zu tun sei: „Wenn alles ussfällt, nix mieh jeit un alles dunkel weed, dann bruche de Minsche jrad üch!“ 

Trialog-Predigt (c) Guido Bach

Vom Evangelium von der „Huhzick zo Kana“ her ergab sich konsequent der Auftrag, auch und gerade in der heutigen Zeit für die Menschen da und aktiv zu sein: „Maaht de Minsche et Wasser zo Wing !“, rief Diakon Kerling den beiden zu, denn auch, wenn wir nicht wissen, wie die weitere Entwicklung aussehe, ob es jetzt bald besser oder aber schlechter werde, ist eins klar: „Ävver esu oder esu: Mer maache e Leech aan!“ 

Dieses Motto des „Fessjoddesdeens op kölsch“ wurde mit dem Brings-Song „Mer singe Alaaf“ dann sogleich auch noch musikalisch präsentiert, wobei Heike Esser mit dem Diakon im Duett sangen. Als Pfarrer Wahlen anschließend die mit einem Funken-Emblem verzierte „Fastelovends-Kääz“ an der Osterkerze entzündete, wurde das Gottesdienstmotto buchstäblich in die Tat umgesetzt. 

Schließlich bedankte sich gegen Ende des in jeder Hinsicht grandiosen Festgottesdienstes Funkenpräsident Ferdi Büchel bei den beiden Zelebranten, indem er ihnen noch in der Kirche den aktuellen Orden der Funken Blau-Weiss verlieh und – wie es bei der Sessionseröffnung aller Karnevalsgesellschaften im hohen Dom zu Köln ein guter Brauch ist – ein Pittermännchen Kölsch übergab. Den entscheidenden Unterschied zu der Handhabung in der Domstadt verschwieg er dabei nicht: „Das an den Kölner Erzbischof übergebene Fässchen ist immer leer – unseres hier ist natürlich voll!“ Und ebenso wenig leer wie das an Diakon Kerling übergebene Pittermännchen Kölsch, ging auch Pfarrer Wahlen aus: Der Pils favorisierende Pastor erhielt das gleiche Quantum seiner bevorzugten Biersorte, bevor die Funken unter den musikalischen Klängen sowohl ihres Regimentsspielmannszuges als auch der Bergkapelle „Vereinigung“ zurück zum Rhein Sieg Forum zogen, um dort auftragsgemäß in den Karneval zu starten. 

Spielmannszug (c) Guido Bach

Ein solches Gemeinschaftserleben tut so gut in schwierigen Zeiten! Die kölsche Sprooch ist Heimat, und das wurde im gesprochenen und gesungenen Wort und auch in den instrumentalen Stücken besonders deutlich, ob in Mundart übertragene Kirchenlieder oder Karnevalslieder gesungen wurden. Der Spielmannszug der Funken – das Tambourcorps Siebengebirge Thomasberg – und die Bergkapelle „Vereinigung“ Birken-Honigsessen entfesselten einen Klangkörper, der niemanden unberührt ließ. Das ergreifende Spiel des Dudelsackpfeifers oder die Duette, nur vom E-Piano begleitet, trugen schließlich ihren ganz eigenen Teil zum gelungenen Ineinander von Tradition und Moderne bei. 

Kein Wunder, dass so gesegnet alle bester Laune zum „Großen Regimentsappell“ zurück ins Rhein-Sieg-Forum zogen, wo sie, sicher unter 2G+ Bedingungen zusammen, den Beginn der „fünften Jahreszeit“ feierten. Wie schön, wenn die Gottesdienst feiernde Gemeinschaft auch zugleich die den Karneval feiernde Gemeinschaft ist! 

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