Wie jedes Jahr war eine große Anzahl Siegburger Christen am Pfingstmontag ans Boothaus an der Sieg gekommen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern, wo man ihn sonst in den jeweiligen ACK-Gemeinden - durchaus unterschiedlich - "alleine" feiert.
"Dies passt perfekt zum Pfingstfest", wie Pfarrer Tontchev (Christusgemeinde Siegburg) in seiner Begrüßung bemerkte: "Pfingsten konnten sich alle - trotz unterschiedlicher Sprachen - verstehen. Und Gott ist dabei - das merkt man am Wetter." So waren kurz vor Beginn die Stuhlreihen noch etwas gedreht worden, damit auch die Zelebranten in den Schatten umziehen konnten.
Pfarrer Lenz (Ev. Kirchengemeinde Siegburg) beschrieb die Sorgen der Menschen in der heutigen Zeit: Was kommt? Wie wird es weitergehen mit unserer Demokratie? Mit unserer Freiheit? Mit unserer Umwelt? Mit unseren Kirchen? Dazu kommen die kleinen persönlichen Sorgen eines jeden Einzelnen.
Pfarrer Wahlen (Kath. Kirchengemeinde Siegburg) griff das Motto des Gottesdienstes auf: "Fürchtet Euch nicht, ich predige nicht!" Denn heute war jeder Einzelne gefragt. Pfr. Wahlen leitete ein Schriftgespräch zum zuvor gehörten Text aus dem Matthäusevangelium (22-33) ein. In 4er bis 6er Gruppen lasen wir den Text noch einmal, hielten Stille und versuchten, unser Herz offen werden zu lassen für das, was Gott uns zu sagen hatte. Was hat mich berührt? Was verwundert? Wir tauschten uns aus, hörten einander zu. Was will Gott mir durch den anderen sagen?
Dann gingen wir in den Gruppen in einen Austausch, teils sehr rege. Und wir hielten in jeder Gruppe das fest, was wir den anderen als Gruppe sagen wollten. Diese Zettel wurden auf eine große Stellwand geheftet und nach dem Gottesdienst konnte jeder schauen, was uns der heilige Geist an diesem Pfingstfest sagen wollte.
"Menschen leben in schweren Zeiten, aber die Zeiten sind immer schwer", so Pfarrer Wahlen und er schloss mit dem Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer (aus: Nach zehn Jahren, 1943):
Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.
Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht
vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu
werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.
Der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde und Katrin Wissemann am Klavier begleiteten den Gottesdienst musikalisch, so dass das Singen bekannter, aber auch unbekannter Lieder kein Problem war.
Die evangelische Kirchengemeinde Siegburg-Kaldauen vervollständigt als viertes Mitglied die ACK-Gemeinden.
Und alle Gottesdienstbesucher waren sich einig: Der ökumenische Pfingstgottesdienst gehört zu den schönsten Gottesdiensten im Jahr.
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