Psalm zur Lage der Kirche in Deutschland

29.10.22, 16:24
online Redaktion St. Servatius Siegburg

Herzlich willkommen auf der Internetseite der kath. Kirchengemeinde St. Servatius Siegburg

Hier an dieser Stelle wollen wir Ihnen – den neuen und den regelmäßigen Besuchern dieser Homepage – einen Einblick geben in das, was die Menschen in unserer Gemeinde gerade bewegt, was ihre Themen sind, was sie beschäftigt.

Die letzten Wochen, Monate, ja leider auch schon Jahre, waren geprägt von der Missbrauchsaffäre in der katholischen Kirche. Im Erzbistum Köln kommt erschwerend das stark gewachsene Misstrauen der Person Kardinal Woelkis gegenüber hinzu.

Uns, der online-Redaktion dieser Gemeindehomepage, fiel dieser Tage ein Psalm in die Hände, geschrieben im Februar diesen Jahres von einem 90 jährigen Mann, einem Priester, dem Limburger Altbischof Franz Kamphaus. Er drückt darin so vieles von dem aus, was die Menschen bewegt, was sie denken, fühlen, befürchten, aber auch hoffen. Wir haben uns daher dazu entschlossen diesen Psalm hier zu veröffentlichen. Vielleicht finden auch Sie sich darin wieder.

Psalm zur Lage der Kirche in Deutschland

Ach, Herr ...  
Das Loblied am Morgen  
hängt zwischen den Zähnen fest
kann nicht heraus
denn das Herz klagt

Ach, Herr ...  
Man sagt:  
Unter jedem Dach ein Ach
Unter dem großen Dach
der Kirche ein großes Ach –  
Klage und Anklage

Einst sangen wir Loblieder
Ein Haus voll Glorie schauet
weit über alle Land
und nun bleibt uns nur
Herr, erbarme dich 

Vielleicht waren
die Loblieder von einst
zu vollmundig 

Vielleicht haben wir
die Kirche zu sehr
auf den Sockel gestellt,  
den Heiligen Vater in Rom  
fast mit dir verwechselt –  
Zu viel Oberhirten  
und Exzellenzen  
zu wenig Hirtendienst.

zu viel Glanz und Gloria  
zu viel Macht und Geld  
zu viel Behörde –  
ein geschlossenes System  
mit eigener Logik,  
weltfremd und
immer im Recht

Eine Kirche,  
die um sich selber kreist,  
der es um das
eigene Ansehen ging,  
die so
eine Fassade aufbaute,  
und die die Risse  
in der Fassade
überpinselte 

Ach, Herr… ...  
Wir klagen,  
sind erschüttert  
über den Missbrauch  
der Macht  
und der Menschen,  
über die kindlichen Opfer  
und ihre  
oft gebrochenen Seelen. 
Kaltherzig
wurden sie behandelt,  
wie Zahlen einer Statistik,  
man glaubte ihnen nicht,  
sie bekamen kein Gesicht.

Wir sind erschüttert  
über das Verschweigen  
und Vertuschen
und Hinwegsehen  
und die
nicht wahrgenommene
Verantwortung –  und für die
noch nicht mal halbe Wahrheit  
selbst aus päpstlichem Munde

Das alles in der Kirche  
dem Hort der Wahrheit  
dem Ort deiner Liebe  
mitten in der Welt

Wir hören
die Frage Jesu an seine Jünger:  
Wollt nicht auch ihr gehen? 
Und wir hören die Frage an uns:  
Was hält euch eigentlich noch?  

Ach Herr,
die Kirche liegt am Boden,  
wird ausgezählt
wie im Boxring.  
Knock down, total.  
Im Ranking des Vertrauens
steht sie ganz unten.

Aber jetzt – ganz unten,  
fast am Nullpunkt –  
könnte
das Entscheidende kommen.  
Wie der Suchtkranke,  
der herauswill aus der Sucht,  
an den Nullpunkt muss ...  
Der Umschwung ... 

Die Wege zurück ins Alte  
sind versperrt.  
Jetzt ist die Stunde der Wahrheit  
und der Einsicht.  
Jetzt: die Bescheidenheit  
und die Demut.  
Eine gründliche Reinigung.  
Mehr als üblicher Hausputz.  
Der Verzicht auf den Glanz  
und die bröckelnde Macht und
die Selbstbeweihräucherung.

Radikale Ehrlichkeit.  
Akzeptanz und Liebe  
auch zu denen, die Du, Gott,  
anders geschaffen hast  
und die sich jetzt  
aus den Verstecken wagen. 

In einem Wort gesagt:  Es steht an
– Umkehr.  
Zu Jesus.  
Zu einer Re-Form der Gemeinde,  
wie er, Jesus, sie gedacht hat.  
Offen für alle.  
Männer und Frauen gleich.  
Alle, wirklich alle: willkommen. 

Ach Herr –  
lieber Vater:  
Schenke uns und
der ganzen Kirche,  
dass wir diese Stunde 2022  
nicht verjammern,  
auch nicht verharmlosen,  
nicht vertrödeln, nicht
business as usual machen.  
Schenke uns und der ganzen Kirche,  
dass wir das Gute bedenken,  
dass der Glaube
uns gegeben hat und gibt.  
Dass wir in uns  
das Bild Jesu Christi
leuchten lassen,  
des Mitgehers.  
Dass wir Skandale  
als Alarmzeichen ernst nehmen,  
aber nicht für das Ganze halten.  

Herr,
die Kirche ist vorläufig – und sündig.  
Du bist ewig – und heilig.  
Lass uns besonnen sein  
und wieder glaubwürdig werden.  
Denn alles, was der Heilung dient,  
'ist da – muss erkannt,  genutzt
und gelebt werden. 

„Wir gehen nicht unter,  wir gehen auf -
In Dir.“  

(Bischof Kamphaus, 90 Jahre alt) 

Kirchengemeinde St. Servatius

Mühlenstraße 6
53721 Siegburg

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0152 21697981

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