Sehen – urteilen – handeln : 40 Jahre Priester in Kolumbien

18.06.19 05:22
Uta Köpp und Konrad Roth
Uli am Altar (c) Uta Köpp

Pater Uli Kollwitz, der seit 40 Jahren als Missionar im Choco/Kolumbien arbeitet, feierte auf den Tag genau am Pfingstmontag (10.06.), sein 40-jähriges Priesterjubiläum in St. Mariä Empfängnis.

In seiner langen Ansprache erzählte er, dass damals, im letzten Jahr seiner Ausbildung, der neue Papst Johannes Paul II. gewählt wurde. Schon zu der Zeit dachte er darüber nach, ob er seine Ausbildung überhaupt beenden sollte, da er befürchtete, dass die Entwicklung der katholischen Kirche in eine Richtung ginge, die er möglicherweise nicht mittragen könne. Damals konnte man dies schon erkennen.

Zunächst war man darauf bedacht, das II. Vatikanische Konzil einzuhalten. Dazu gehörte u.a.  die Abschaffung der Liturgie auf Lateinisch, die Position des Priesters zu den Gläubigen in der Messe etc. Viele Beschlüsse des Konzils sind bis heute jedoch nicht umgesetzt worden.

Er schloss seine Priesterausbildung aber doch ab und war dann elf Jahre im Urwald von Choco/Kolumbien als Seelsorger eingesetzt. Dort kam er in Dörfer, die manchmal ein Jahr lang keinen Priester gesehen hatten.

Nach einiger Zeit der Betreuung durch Pater Kollwitz und sein Team, das aus Frauen und Männern (auch Laien und Klerikern) bestand, traf sich die dörfliche Gemeinde an einem Wochentag und hielt dabei einen Wortgottesdienst auch ohne Mitwirkung des Priesters. Wenn der Priester damit einverstanden war, wurde er erst zur „Wandlung“ aktiv in den Gottesdienst eingebunden.

Uli im Gespräch (c) Uta Köpp

Pater Uli Kollwitz und sein Team waren vorrangig in seelsorgerischer Funktion unterwegs.
Daneben standen auch die Gesundheitsförderung und die Alphabetisierung/Bildungsarbeit  in den Dörfern im Vordergrund. Eben nach dem Grundsatz: 

  • Sehen – wie ist der derzeitige Zustand, welche akuten Probleme bestehen?
  • Urteilen – wie nehmen wir uns dieser Probleme jetzt an?
  • Handeln – versuchen, auf direktem Wege Hilfestellung zu geben, um eine baldige Lösung herbeizuführen.

Anschließend war er sieben Jahre in Bogota, wo er sich der Menschenrechtsorganisation anschloss und sich auch aktiv gegen Bedrohungen durch die Guerilla, militärische Ausbeutung von Kindern, Ausbeutung des Landes wegen Gold- und Erdölvorkommen etc. einsetzte.

Vieles passiert in der katholischen Kirche in Kolumbien anders und doch irgendwie erfolgreicher, da alle an einem Strang ziehen und nicht von Oben diktiert wird, was zu geschehen hat. Pater Kollwitz setzt da große Hoffnung in unseren neuen Papst Franziskus. Ihm vertrauen die Menschen aller Glaubensrichtungen aus aller Welt und aus unterschiedlichen Kulturen. Er gilt als der große Hoffnungsträger für eine gerechte Zukunft.

Nach dieser doch sehr beeindruckenden Ansprache blieb wohl jeder mit seinen eigenen Gedanken hierzu ganz ruhig.

Pater Kollwitz bedankte sich abschließend auch bei all denen aus seiner Heimatgemeinde, mit denen er über Jahre „verbunden“ war, und auch für die finanzielle Unterstützung für die Dörfer im Choco.

Uli u. Diakon Speicher (c) Uta Köpp

Nach der hl. Messe hatte der Ortsausschuss zum kleinen Umtrunk auf dem Kirchplatz eingeladen. Dort traf Pater Uli Kollwitz  auch auf unseren bereits am 08.06. verabschiedeten Diakon Wolfgang Speicher. Er und seine Frau Marga wurden in einer feierlichen Messe von Pfarrer Karl-Heinz Wahlen und den Mit-Diakonen Gerd Scholand und Dr. Marc Kerling verabschiedet. Die beiden Speichers werden im hohen Alter von über 90 Jahren noch einmal den Wohnsitz wechseln, um in die Nähe Ihrer Tochter in Großmaischeid zu ziehen.

Mitglieder des Ortsausschusses verabschiedeten Diakon Speicher mit einem irischen Segensgedicht, in dem es u.a. heißt:

Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen,
mögest du den Wind im Rücken haben,
möge die Sonne warm dein Gesicht bescheinen,
möge Gott seine schützende Hand über dich halten.

Anschließend lauschten wir dem ursprünglich von Trude Herr zu ihrem Abschied aus Köln gesungenen Lied „Niemals geht man so ganz“. Hierzu hatte wohl jeder Einzelne aus der Gemeinde sein eigenes Erlebnis vor Augen. Mancher konnte eine Spur Traurigkeit nicht verbergen.

Aber Pfarrer Karl-Heinz Wahlen hat in seiner humorvollen Art die Situation am Ende doch wieder positiv gewendet.

Diakon Speicher versprach in seiner bemerkenswerten Dankesrede am Schluss, den Stallberg „niemals“ zu vergessen und er segnete „seine“ Gemeinde.

Für Pater Uli Kollwitz, der auch in seiner Rente weiterhin in Kolumbien tätig sein wird, für Diakon Speicher und seine Frau Marga und für uns alle bitten wir:

Gottes Macht halte uns aufrecht,
Gottes Auge schaue auf uns,
Gottes Ohr höre uns,
Gottes Wort spreche für uns,
Gottes Hand schütze uns.

Kirchengemeinde St. Servatius

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