Ich habe die astronomischen Berechnungen und Fachbegriffe zur „Sonnenwende“ noch nie richtig verstanden, liebe Schwestern und Brüder. Wenn ich lese, dass die Sonne bei ihrer „Wende“ jetzt zum Sommer ihre maximale Deklination von +23,44° erreicht, nicke ich und denke: Aha, sehr interessant, und dieser Winkel entspricht also der Neigung der Erdachse gegenüber der Ekliptik. Schön und gut. Zu viele Fremdwörter.
Was ich aber verstehe, ist, dass die Sonne an diesem Tag ihre Richtung zu wenden scheint, weil ab jetzt die Tage hier bei uns auf der Nordhalbkugel wieder kürzer werden. Nach der Wintersonnenwende werden sie dann wieder länger. Der 21. Juni ist der Tag dieser „Sonnenwende“: der längste Tag im Jahr, an dem die Sonne den höchsten Stand hat. Ab da wird sie wieder abnehmen, bis sie dann an Weihnachten wieder zunimmt.
Deshalb hat die Kirche den 24. Juni dem Gedächtnis Johannes des Täufers geweiht. Genau sechs Monate vor Weihnachten hören wir, wie er auf Christus hinweist, wenn er sagt: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Joh 3,30) Die Tage, an denen die Sonne scheint, werden kürzer, aber Christus, das Licht, das in unseren Herzen aufgeht, könnte größer werden, bis es an Weihnachten zur Welt kommt.
Vorher wird der Engel Gabriel Maria besuchen und ihr sagen, dass Elisabeth, ihre Verwandte, auch schwanger ist, und zwar schon „im sechsten Monat“ (Lk 1,36), 24. Juni die Geburt des Täufers, 24. Dezember Heiligabend.
„Fürchtet euch nicht!“ hat der Engel zu denen gesagt, denen er einen Besuch abgestattet hat, Maria, die Hirten auf den Feldern bei der Geburt. So heißt es auch heute im Evangelium und ist so viel leichter zu verstehen als die astronomischen Berechnungen: Auch die Spatzen sind wertvoll und behütet, und ich sehe sie in der Wassertränke und im Vogelhaus in meinem Garten, und schnell wieder wegfliegen und sehe ihnen versonnen nach.
„Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“ klingt noch anders und fällt so vielen in dieser Zeit doch alles andere als leicht. Aber die Zusage steht. Angeblich 365 in der gesamten Heiligen Schrift. Für jeden Tag die Ermutigung. Lassen wir uns von den Spatzen daran erinnern, wenn wir sie sehen!
Sommerlich grüßt Ihr und Euer
Diakon Dr. Marc Kerling
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