Wahlempfehlung des Seelsorgeteams zur Bundestagswahl

24.09.21, 10:00
Dominik Grässlin

Ich muss Sie leider enttäuschen: Parteinamen werden Sie in den folgenden Zeilen nicht finden - auch nicht zwischen den Zeilen. Es handelt sich nur um einen billigen, aber möglicherweise erfolgreichen Versuch, Ihre Aufmerksamkeit zu erheischen. Und die gebührt auch an einem Wahlsonntag natürlich zuallererst dem Wort Gottes. Aber vielleicht hat der 26. Sonntag im Jahreskreis dem Sonntag im Wahlkreis 97 ja etwas zu sagen?

Zwischen den Lesungen hören wir den Psalmisten zu Gott flehen: „Verschone deinen Knecht auch vor vermessenen Menschen; sie sollen nicht über mich herrschen!" (Ps 19,14). So könnte doch ein Gebet am Wahltag lauten! Dessen Ausgang entscheidet schließlich wesentlich darüber, welche Menschen am Ende „über mich herrschen". Ja, gewiss: In der Demokratie sind Herrscher und Beherrschte identisch. Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus und sie wird in Wahlen ausgeübt, wie es in unserer Verfassung heißt. Wir haben nun wieder selbst die Wahl, von wem wir im Parlament vertreten werden wollen. Nun, wer möchte schon von „vermessenen Menschen" repräsentiert werden? Unter Vermessenheit verstehen wir vielleicht ein arrogantes Auftreten. Vermessenheit kann sich aber auch anders zeigen. Der hl. Thomas von Aquin nennt sie einen Verstoß gegen die natürliche Ordnung. Denn der Vermessene versuche etwas zu erreichen, das seine Kraft übersteigt. Es geht also nicht nur um Sozialverhalten, sondern um Ziele. Doch müsste dann nicht alles Streben Sünde sein, wo wir doch so wenig aus uns selbst heraus vermögen? Nein, so der große Kirchenlehrer, das tugendhafte Streben sei nicht vermessen. „Es wäre aber vermessen, wenn jemand ohne Vertrauen auf die göttliche Hilfe danach strebte"!

Die Demut vor dem Schöpfer lässt uns Kraft zum Guten empfangen, bewahrt uns aber auch vor Selbstüberschätzung - im Kleinen des Alltags wie im Großen der Politik. Sie lässt uns einsehen, dass wir das Leben nie ganz in der Hand haben. Gottesfurcht lehrt Ehrfurcht vor dem Leben und der Freiheit des anderen, der ebenso geschaffen und gewollt ist wie ich. Sie lehrt auch, dass der Mensch für die Ewigkeit geschaffen ist und in der Gemeinschaft mit Gott buchstäblich seinen „Wohlstand" findet. Wer sich dessen bewusst ist, bewahrt sich selbst und den Staat vor der Versuchung, die nur eine Überforderung bedeuten kann: das Heil bringen (und alles Unheil verhindern) zu wollen. „Seid nicht vermessen!" (Ps 75,5).

Ihr Diakon Dominik Grässlin

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