Wir feiern das Leben … oder: Was wir als Kirche vom Karneval lernen können

19.02.20 17:00
Marc M. Kerling

„Mer fiere et Levve, dat hält uns zosamme, dat weed uns keiner nemme!“, höre ich Cat Balou singen, pfeife mit und denke: Machen wir nicht als Kirche das gleiche, wenn wir Gottesdienst feiern, das geschenkte und das Leben in Fülle feiern und so erleben, dass auch uns genau das „zusammenhält“ und zur Gemeinschaft formt? Und ich denke weiter: Ja, klar, aber zu dieser Gemeinschaft gehören ja noch viel mehr Menschen, nämlich auch und vor allem die in Not, in Armut, die Ausgeschlossenen, Ausgegrenzten und auf sehr unterschiedliche Weise „Bedürftigen“.

Und mir wird klar, dass das nicht nur ein Karnevalsphänomen ist, sondern ein grundsätzliches und ein Lebens-Thema: Wie gehen wir mit solch unterschiedlicher „Not“ um? Ist nicht den „Nächsten zu lieben wie sich selbst“ der große Auftrag, der uns im anderen die Schwester und den Bruder erkennen lässt? 

Caritas Adventssammlung

Wenn die diesjährige Caritas-Advents-Haussammlung nun endlich in Zahlen beschreibbar ist, wird schnell klar, auf wie viele unterschiedliche Weisen wir „Zeichen setzen!“ können, denn so lautete das Motto dieser Haussammlung. Unzählige Helfer waren unterwegs, um zu zeigen, dass wir die Menschen, denen es nicht so gut geht, nicht alleine lassen. Der Karneval als große integrative Kraft holt uns in diesen Tagen diesen „Auftrag“ wieder ganz nah:

Unterschiedlichste Menschen feiern, singen, schunkeln zusammen, an den Zugwegen, im Straßenkarneval, bei Sitzungen oder im Kneipenkarneval. 

Die kölschen Lieder beschreiben dabei etwas, das uns manchmal erst beim zweiten Hinhören aufgeht: Wir heben die Gläser auf die Liebe und das Leben, „und trinken auch mit denen, die im Himmel sind“, „alle Jläser huh!“ Oder da ist von „Heimat die Rede“, vom „alten Mann“, der „so gerne wieder einmal lachen“ würde. Der kein Geld hat und dadurch ausgeschlossen ist. Aber plötzlich wird er doch mit eingeladen auf ein Bier, mitzutrinken, und ist mit einem Mal mittendrin. Ist dabei und gehört dazu. Das ist Karneval und ist es genau das, was uns als Kirche aufgetragen ist: Nächstenliebe, oder mit einem anderen Wort: „Caritas“. 

Es gibt ganz viele Karnevals- oder kölsche Lieder, die diese Perspektive auf den Punkt bringen, ob sie wissen, dass Heimat da ist, „wo Du nicht abseits stehst“ (Paveier) oder „wir echt nicht kleinlich“ sind, und es uns „nicht drauf ankommt“, „ob Du grade heute frisch bist oder klamm“ (Brings), immer geht es darum, dass die einen den anderen helfen, sie mit hineinnehmen, egal, wie es ihnen gerade stimmungsmäßig (oder auch finanziell) geht. Traurige besuchen, Einsame, Kranke, Trauernde trösten, Integration – der Karneval schafft vieles und verbindet Menschen aus allen „Schichten“ miteinander zum gemeinsamen Feiern, selbst dort, wo man aus dem Krankenbett die Übertragung des Rosenmontagszuges mitschaut. Aus diesem Frohsinn heraus auf die Adventssammlung der Gemeindecaritas zurückzublicken, mag überraschen, aber als Caritasbeauftragter und kölsche Jeck zugleich liegt es mir ganz nah: 

Miteinander-Magazin (c) Martina Sedlaczek

Wir haben durch das „miteinander“-Magazin und die Haussammlung (und genauso die Überweisungsträger, die dadurch in die Briefkästen gelangt sind) stolze 14.700 € gesammelt und gespendet bekommen, die in der Pfarrei für Menschen in Not eingesetzt werden. Denn wenn Armut, Krankheit oder ein anderer Schicksalsschlag ausgrenzen, braucht es Menschen, die Mut machen und ein Zeichen setzen, das sich auch auf diese Weise ausdrückt, dass wir teilen, weil wir „alle gleich sind“: „Vor dem Herrgott“, wie die Bläck Föös in ihrem „Stammbaum“ wissen, zu dem auch all die dazugehören, die „hierhin gekommen sind“, und wir alle haben dadurch „so viel gewonnen“. Das ist etwas, wo „wir Kölschen“, so heißt es im Lied „stolz drauf sind“. 

Als Pfarrgemeinde dürfen wir es auch sein, denn so können wir Menschen, die am Rande stehen, unterstützen. Wir können uns solidarisch zeigen und so unser jeweiliges „Zeichen setzen“, um die soziale und caritative Arbeit vor Ort zu fördern und manches Mal erst zu ermöglichen, in so vielen Projekten vor Ort, in ehrenamtlichen Besuchsdiensten, die zum Beispiel einen Lebensmittelgutschein mitbringen, und in der Unterstützung von Menschen und Familien in besonderen Notlagen, in Einzelfallhilfen oder oder oder. 

Und das, was die kölschen Lieder besingen, geht oftmals noch weit darüber hinaus, insofern es ja auch zum caritativem Auftrag vor Ort gehört, denn „so mancher sitzt vielleicht allein zuhaus, der so gern mal wieder lachen würde“, nämlich mit jemandem, der ihn besucht oder auf ein Bier einlädt und mit ihm erzählt. Jemand, der einfach da ist. Zuhört. 

Deshalb leuchtet unmittelbar ein, was die Gruppe Brings mit ihrem Lied „Liebe gewinnt!“ erkannt hat: „Wir werden frei sein, wenn wir uns lieben“, denn „wir sind Brüder, wir sind Schwestern, ganz egal, wo wir sind.“ „Caritas“ ist nur ein anderes Wort für „Liebe“.

Für die Pfarrcaritas der Kirchengemeinde St. Servatius: Marc M. Kerling  

Kirchengemeinde St. Servatius

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In Notfällen:
0152 54136030

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Di                 09:30 - 16:00 Uhr
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