Amos? Wer ist Amos?

20.09.19 12:11
Diakon Gert Scholand

... werden nicht Wenige fragen.

Dieser Prophet der hebräischen Bibel, des Alten Testamentes, kommt in den drei Lesejahren mit drei Texten vor. Er hat ein schmales Buch hinterlassen. Seine Lebenszeit war das 8. Jahrhundert vorchristlicher Zeitrechnung, als Israel bereits in ein Nord- und Südreich unter ganz unterschiedlichen Herrschern und sozialen Verhältnissen geteilt war.

Amos hatte keine theologische Ausbildung, sondern war Bauer. Er spürte, dass sein Stand von der reichen Oberschicht missachtet wurde und die Fesseln der Kapitalwirtschaft um die Armen und Schwachen in der damaligen Gesellschaft gespannt wurden. Seine Rede in den knapp neun Kapiteln ist lebendig, zupackend. Er spricht von Jahwe, dem Gott Israels nicht im ehrfürchtigen Kanzel- und Theologenton. Auch in der heutigen Lesung ist das nicht der Fall. So sieht er die reiche Oberschicht, die in ihrem Wohlstand gedankenlos und selbstsicher dahinlebt.

Er klagt das unmäßige Besitzstreben und das Gewinnmachen um jeden Preis radikal an. Betrügereien, wie sie damals von den Unternehmern brutal gegenüber der Bevölkerung vorgenommen wurden, entlarvt Amos als zutiefst menschenverachtend. Es werden Einnahmen auf Kosten der Ärmsten und Schwächsten, die sich nicht wehren können, gemacht.

Dieses Verhalten der Oberschicht klagt Amos als ausbeuterisch an. Er widerspricht der Denkart seiner Zeitgenossen, weil es dem Gesetz Gottes entgegensteht, dem sich das Volk Israel verpflichtet hat.

Der Prophet Amos will auch uns ansprechen. Spätestens seit dem Ende des 2. Weltkrieges leben wir in Europa auf einem sehr hohen gesamtwirtschaftlichen Niveau. Doch wir verdanken unseren Wohlstand nicht nur dem Fleiß der Arbeiterschaft, dem Ideenreichtum der Ingenieure oder der Geschäftstüchtigkeit der Kaufleute. Drei Beispiele möchte ich nennen, die verdeutlichen, welche Mitverantwortung wir hierzulande für die globale Entwicklung tragen. Die Belastung des Weltklimas ist von den Industrienationen verschuldet, die Elektrifizierung in der Automobilbranche geht ja zu Lasten vieler noch immer unterentwickelter Länder unserer Erde, denen seltene Rohstoffe entwendet werden, damit zum Beispiel die starken Batterien hergestellt werden, die die Elektrofahrzeuge antreiben. Die Fleischproduktion in unseren Breiten funktioniert durch die Futtermittelimporte aus Lateinamerika.

Ich denke der letzte Satz der heutigen Lesung aus dem Buch des Amos ist zeitlos:
Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine der Taten werde ich jemals vergessen!

Diakon Gert Scholand

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