„Liebe und tu was du willst!“

27.08.21, 10:00
Dominik Grässlin

„Dilige, et quod vis fac“ – „Liebe und tu was du willst!“ – so lautet ein ebenso beliebter wie griffiger Spruch des hl. Augustinus von Hippo, dessen Fest wir am 28. August begehen. Man könnte meinen, der Satz gehöre in das Reich der fälschlich zugeschriebenen Zitate prominenter Denker. Führen doch manche Zeitgenossen auf diesen Kirchenvater jene Traditionslinie der „Leibfeindlichkeit“ zurück, welche die kirchliche Morallehre angeblich bis heute prägt. 

 

Der Satz ist tatsächlich authentisch, doch lohnt es sich, etwas weiter zu lesen. Weiter schreibt der heilige Bischof nämlich: „Schweigst du, so schweige aus Liebe; redest du, so rede aus Liebe; rügst du, so rüge aus Liebe; schonst du, so schone aus Liebe: Trage Liebe in deinem Herzen; aus dieser Wurzel kann nichts anderes als Gutes hervorgehen“. Dies klingt schon nicht mehr nach dem Freibrief, den man in die ansprechende Sentenz des Kirchenlehrers doch gerne hineinliest. Es geht nicht darum, das eine und das andere nebeneinander zu tun, als hätte beides nichts miteinander zu tun: das Lieben und der freie Wille. Vielmehr sollen wir alles, was wir tun, mit Liebe tun. Die Liebe, die von Gott stammt und die Gott selbst ist, soll unser ganzes Leben durchdringen! Wer so liebt, der liebt nicht auf der einen Seite und handelt auf der anderen Seite völlig willkürlich, ja vielleicht lieblos. Nein, wer so liebt, der kann gar nicht anders, als diese Liebe auch in allem und in allen zu wollen. Ein Mensch, der sich für die Liebe Gottes öffnet und sich von ihr formen lässt, dem ist nichts mehr gleichgültig – dieser Mensch will das Gute und tut das Gute. 

 

Wenn Augustinus sehen würde, was heutzutage alles unter dem Etikett „Liebe“ durchgeht (und was nicht), dann würde er nicht schlecht staunen. Wohl kein Heiliger wusste so gut um den Unterschied zwischen Liebe und „Nett-Sein“, zwischen Liebe und Begierde. Hatte er doch kein sinnliches Vergnügen ausgelassen in seinen vorchristlichen Jahren. Doch all dies blieb im Augenblick und hinterließ eine große Leere. Erst die vollkommene Liebe in Gott vermochte ihn zu erfüllen. Liebe, und dann tu, was du willst!

Ihr Diakon Dominik Grässlin

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