Vorwort des aktuellen miteinander: Mitmenschlichkeit

04.09.26, 08:00
Gemeindereferentin Andrea Schulze-Röbbecke

Liebe Mitchristen,

wir kennen das alle: Jemand sagt etwas Verletzendes oder enttäuscht unser Vertrauen. Wir sind entsetzt: „Wie kann sie nur? Das hätte ich von ihm nicht gedacht!“ Und wie oft reden wir anschließend mit anderen darüber – nur nicht mit dem Menschen selbst.

Jesus schlägt einen anderen Weg vor: „Weise ihn unter vier Augen zurecht.“ Nicht hinter dem Rücken, nicht vor versammelter Mannschaft. Es geht Jesus nicht darum, einen Schuldigen festzustellen – sondern einen Menschen zurückzu-gewinnen.

Vom Stamm der Babemba in Südafrika heißt es, wenn ein Stammesmitglied unverantwortlich gehandelt hat, wird es in die Dorfmitte gebracht – aber nicht daran gehindert, wegzulaufen. Alle im Dorf unterbrechen ihre Arbeit und versammeln sich um den Menschen. Dann erinnert jedes Stammesmitglied die Person in der Mitte daran, was sie in ihrem Leben Gutes getan hat: ihre positiven Eigenschaften, ihre guten Taten, ihre Stärken. Die Erinnerungen werden ausführlich und ehrlich erzählt, bis jede Person im Dorf gesagt hat, wie sehr sie diesen Menschen als Mitglied der Gemeinschaft schätzt und respektiert. Am Ende wird der Kreis geöffnet, der Betreffende wieder in den Stamm aufgenommen und ein fröhliches Fest gefeiert.

Hat diese Erzählung nicht eine erstaunliche Kraft? 

Vielleicht können wir dies als Impuls in die neue Woche mitnehmen. Wenn es schwierig wird: miteinander sprechen statt übereinander – und dabei nicht vergessen, was wir an unserem Gegenüber schätzen. Kritik ohne Wertschätzung macht hart, Wertschätzung ohne Ehrlichkeit wird oberflächlich. Beides zusammen kann beiden Seiten helfen, uns im Sinne Jesu weiterzuentwickeln.

Denn er sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Vielleicht gilt das ja nicht vor allem für schlecht besuchte Gottesdienste, sondern gerade für schwierige Gespräche? 

Wenn wir einander zuhören, um Vergebung ringen und nach einem guten Weg suchen, muss Jesus nicht erst ‚dazukommen‘. Er ist schon mitten unter uns! 
Wir brauchen Konflikte nicht allein lösen. Wir dürfen Jesus in die Mitte stellen: zwischen unsere Verletzung und unseren Ärger, zwischen Recht haben und Vergeben, zwischen Schuld und Neubeginn.

In diesem Sinne wünsche ich uns eine gesegnete und mitmenschliche neue Woche

Ihre Gemeindereferentin

Andrea Schulze-Röbbecke

Nächstenliebe (c) pixabay

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