Mich erreichte vor ein paar Wochen eine WhatsApp-Nachricht mit einem Zitat von Papst Leo aus seiner Homilie zur Pfingstvigil im Juni 2025:
„Der Friede wird zurückkehren, wenn wir uns nicht mehr wie Raubtiere, sondern wie Pilger bewegen.“
Und darunter die Frage: „Wie meint er das? – Das muss doch Martina wissen!“
Ich schrieb eine spontane Antwort. In den letzten Wochen dachte ich noch öfters drüber nach. Hier nun die etwas ausführlichere Antwort auf die Frage.
Der Pilger ist anspruchslos, bescheiden und genügsam - er kommt mit dem Nötigsten aus und ist damit zufrieden. Schon beim Packen des Rucksackes für eine mehrtägige oder gar mehrwöchige Pilgerreise gilt es genau auszuwählen, was man mitnimmt. Jedes Gramm muss über hunderte von Kilometern getragen werden, da hat kein Schnick-Schnack Platz und auch keine große Garderobe.
Beim Pilgern macht man die Erfahrung, dass man nur wenig materielle Dinge zum Leben braucht.
Pilger genießen die Gemeinschaft. Viele ganz unterschiedliche Menschen machen sich auf den Weg, allein das Pilgern an sich verbindet alle. Die Motive fürs Pilgern sind ganz unterschiedlich, aber gerade diese Vielfalt macht es so interessant.
Auch wenn man tagsüber manchmal allein wandert, abends in den Herbergen trifft man sich wieder. Man geht aufeinander zu, man ist offen, man tauscht sich aus, man kocht zusammen oder geht gemeinsam essen. Es ist aber genauso in Ordnung, wenn man mal einen ruhigen Abend für sich braucht.
Als Pilger legt man seine Rolle, die man im „normalen“ Leben spielt, ab. Gesellschaftlicher Druck und Status bleiben zu Hause. Blasen kann sich jeder laufen.
Keiner urteilt über den anderen, Äußerlichkeiten spielen keine Rolle.
Der Pilger ist nicht egoistisch, ganz selbstverständlich wird geteilt und sei es morgens das letzte Thunfisch Empanada mit einem Pilger, der nichts mehr zum Frühstücken hat und der nächste Ort noch ein paar Kilometer entfernt ist.
Pilger helfen sich untereinander, stützen sich, geben sich Tipps. Wandern auch mal einen Tag langsamer und 10 Kilometer weniger als sonst, um einen erkrankten und schlappen Pilger zu begleiten. So lernt mancher, Hilfsbereitschaft auch anzunehmen.
Als Pilger lernt man eine gewisse Gelassenheit. Unvorhergesehenes (wie überfüllte Herbergen oder falsche Wege) ohne großen Frust anzunehmen – man kann es ja doch nicht ändern. Im Idealfall findet man seine innere Ruhe und seinen eigenen Rhythmus. Ohne die Zwänge des Alltags, ohne To-Do und Terminlisten.
Der Pilger zerstört die Natur nicht, er geht durch sie und bewundert sie, staunt über Gottes Schöpfung und geht respektvoll mit ihr um. (Auf dem Camino Primitivo von Oviedo nach Santiago habe ich in diesem Jahr keinerlei Müll auf dem Weg oder am Wegesrand gesehen. Der Pilger trägt seinen Müll bis zum nächsten Mülleimer und seien es auch noch so viele Kilometer.)
Das Wandern durch die teils grandiose Natur lässt einen demütig werden. Die eigene Person ist nur ein winzig kleiner Punkt auf dieser riesigen Erde.
Als Pilger hat man eine gewisse Zielstrebigkeit – man will ja am Pilgerziel ankommen. Da zählt Ausdauer. Bei der körperlichen Anstrengung, schmerzenden Knochen, Blasen an den Füßen oder schlechtem Wetter, trägt einen oft nur der Wille.
Christen sind ein „Volk auf dem Weg“, das sich im Erreichten nie bequem einrichten darf.
Zum Schluss nocheinmal Papst Leos Zitat im Zusammenhang:
„In einer zerrissenen und friedlosen Welt lehrt uns der Heilige Geist, gemeinsam zu gehen. Die Erde wird ruhen, die Gerechtigkeit wird sich durchsetzen, die Armen werden jubeln, der Friede wird zurückkehren, wenn wir uns nicht mehr wie Raubtiere, sondern wie Pilger bewegen. Nicht mehr jeder für sich, sondern indem wir unsere Schritte den Schritten der anderen anpassen: nicht indem wir die Welt gierig verschlingen, sondern indem wir sie pflegen und bewahren, wie es uns die Enzyklika Laudato si’ lehrt.“
Notruf für Krankensalbung:
0152-02697547
Das Pastoralbüro ist für den Publikumsverkehr geöffnet:
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