Der Baldachin als Regenschutz

31.07.19 20:47
Ulrich Tondar

Es ist ja nicht so, als ob die Stallberger Katholiken nicht sturmerprobt wären. Aber was ihnen am Samstagabend bei einer Prozession anlässlich ihres 45. Kirchweihfestes passierte, wird wohl in die Ortschronik eingehen. Der während der Abendmesse einsetzende Regen schien nur ein kurzes Zwischenspiel gewesen zu sein, und so entschlossen sich die Verantwortlichen des kirchlichen Ortsausschusses, die Prozession trotz dunkler Wolken starten zu lassen

Pater Uli Kollwitz segnet die Prozessionsteilnehmer (c) Ulrich Tondar

In traditioneller Ordnung, das Kreuz vorneweg, ging es von der Kirche St. Mariä Empfängnis die Theodor-Körner-Straße hoch und dann in die Verbindung zur Hermann-Löns-Straße, wo auf halber Strecke ein schmucker Segensaltar aufgebaut war.

Prozession im einsetzenden Regen (c) Ulrich Tondar

Plötzlich einsetzender Regen, der im Minutentakt immer stärker wurde, warf das weitere Programm völlig über den Haufen. Fluchtartig strömten die Gläubigen über die Hermann-Löns-Straße zu ihrem Gotteshaus zurück. Dabei kamen den vier Männern, die den Baldachin über Pater Ulli Kollwitz mit dem Allerheiligsten trugen, eine besondere Verantwortung zu. Der Baldachin, sonst eher ein liturgisches Schmuckstück, bekam plötzlich eine ganz andere Funktion.

Der ramponierte Baldachin (c) Ulrich Tondar

Er wurde als Schutz gegen die ungestümen Regenschauer eingesetzt, obwohl im Laufe des Geschehens die beiden hinteren Tragestangen ihren Dienst aufgaben und das hintere Ende des Baldachins von Hand getragen werden musste. Völlig durchnässt, aber ansonsten unversehrt, kamen die Baldachinträger, wie auch viele andere Teilnehmer der Prozession wieder in der Kirche, dem Ausgangspunkt ihrer Unternehmung, an.

Dietmar Högen dirigiert den Kirchenchor_UT (c) Ulrich Tondar

Und als ob nach diesem Tohuwabohu nichts gewesen wäre, stimmten die Siegburger Musikanten von der Orgelempore das bekannte Kirchenlied „Großer Gott, wir loben Dich“ an und die Gemeinde sang voller Inbrunst mit. Wie gesagt, die Stallberger Katholiken sind sturmerprobt.

 

 

Die Predigt von Pater Uli Kollwitz ...

Pater Uli Kollwitz (c) Ulrich Tondar

... lässt sich mit den Stichworten "Demokratie statt Standesdenken" und "Katholiken sollen nicht mehr alles schlucken" kurz zusammenfassen.

Der im Siegburger Stadtteil Stallberg aufgewachsene Priester Ulrich Kollwitz wirkt seit über 40 Jahren als Förderer des Friedens in dem von zahlreichen Bürgerkriegen heimgesuchten Kolumbien. Nun ist er auf Heimaturlaub wieder in der Kreisstadt.

 

Was sagt der erfahrene Seelsorger zu den aktuellen Diskussionen um den von vielen Gläubigen geforderten Veränderungen in der Katholischen Kirche? Im Sonntagsgottesdienst anlässlich der Stallberger Kirmes bezeichnete er die Krise, in der sich seine Glaubensgemeinschaft befindet, als „unübersehbar“. Reformen seien dringend erforderlich, allerdings reichten beispielsweise die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Weihe von Frauen zu Priestern nicht aus für einen Neuanfang. In seiner Predigt sprach er sich dafür aus, das aus dem Mittelalter stammende „Standesdenken“ der Kleriker abzulösen und durch eine „Demokratisierung unserer Kirche“ zu ersetzen. Er rief seine Zuhörer dazu auf, sich innerkirchlich zu Wort zu melden und „nicht alles zu schlucken“. Der Klerikalismus  sei mit ursächlich für die vielen Probleme, „mit denen wir derzeit zu kämpfen haben“.

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