Jakobsweg Tag 12 - Ankommen

03.08.20 19:00
  • Jakobsweg-Blog
Die Jakobspilgerin
Tag 12 - Start im Dunkeln (c) Die Jakobspilgerin

Wer zuerst wach ist weckt den anderen, das hatten wir ausgemacht und so werde ich um fünf Uhr von Jennifer geweckt. Mir wird in der ersten Stunde dieses Tages nochmal bewusst vor Augen geführt, wie dankbar ich sein kann und einfach öfters auch mal sein sollte, dass es mir gesundheitlich gut geht. Ich muss nicht 6 x zur Toilette, bevor ich losgehen kann, weil im Darm nach dem Krebs noch vieles in Unordnung ist, bei mir ist alles so normal, dass ich darüber überhaupt nicht nachdenke. Und dabei ist es so wertvoll.
Um sechs Uhr sind wir unterwegs - es ist noch dunkel, aber zu zweit passt das.

Tag 12 - Kaninchen Frühaufsteher (c) Die Jakobspilgerin

Ich liebe die Morgenstunden, wenn alles zum Leben erwacht, die Natur stärker duftet. Wir gehen dahin, jeder still seinen eigenen Gedanken nachhängend. Ich lande nochmal bei Maria. Wie so viele Gebete und Texte in unserer Liturgie ist auch das Gegrüßet seist Du Maria "altbacken" formuliert und wird von vielen nicht mehr richtig verstanden. 
Gegrüßet seist du Maria, du hast spontan ja gesagt, als der Engel des Herrn dich rief und keine Ausreden gebraucht. Bei Elisabet erst hast du über deinen Mut nachgedacht, tief in dir drin auf Gott vertraut. Du hast deinen Sohn begleitet, warst manches Mal in Sorge und verzweifelt, bis unters Kreuz, durch das er uns einen neuen Anfang schenkte. Sei du uns Vorbild und Hilfe mit deinem Gottvertrauen.

Tag 12 - letztes Frühstück (c) Die Jakobspilgerin

Nach knapp zwei Stunden machen wir Pause. Wir haben ja heute nur 14 Kilometer und lassen uns Zeit - genießen dieses letzte "Frühstück" auf dem Pilgerweg. Zeit für den heutigen Tagesimpuls:
Das Leben ist ein Pilgern zu dir hin. Lass uns nicht stehen bleiben Gott, führe uns einen guten Weg und lass uns das Ziel nicht aus dem Blick verlieren.
Ein gutes Stichwort zum Aufbrechen und Weitergehen.

Tag 12 - die letzten Kilometer (c) Die Jakobspilgerin

Jennifer ist richtig aufgeregt, umso näher wir Santiago kommen. Vor einem halben Jahr hätte sie das hier niemals für möglich gehalten und selbst vor zehn Tagen glaubte sie noch nicht, es zu Fuß bis Santiago zu schaffen. Fast schon ausgelassen fröhlich nehmen wir die letzten Kilometer in Angriff.

Tag 12 - erster Blick auf die Kathedrale Santiagos (c) Die Jakobspilgerin

Und die ziehen sich dann wie Kaugummi erst durch die Vororte von Santiago und dann durch die Stadt selbst - alles sehr hügelig. Zudem ist die Sonne wieder draußen, es ist schon sehr heiß, Autoverkehr mit Lärm und Gestank - wir müssen nochmal fest die Zähne zusammen beißen.

Und dann, der erste Blick auf die Kathedrale - was für ein Gefühl!

Tag 12 - die Compostela (c) Die Jakobspilgerin

Halb elf, das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, wir werden es bequem zur Pilgermesse um zwölf Uhr schaffen. Erst einmal stellen wir uns im Pilgerbüro an, um unsere Compostela zu erhalten, noch ist die Schlange nicht sehr lang. Unsere Pilgerpässe zeugen mit ihren vielen Stempeln davon, dass wir den Weg gegangen sind. Dann schließen wir unsere Rücksäcke ein (die dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mit in die Kathedrale), die Zeit reicht noch für einen Kaffee mit Toast. 

Tag 12 - Pilgermesse (c) Die Jakobspilgerin

Ich bekomme noch einen Platz in der ersten Reihe des Südschiffes der Kathedrale mit einer super Sicht. Auch wenn ich nur sehr wenig von der Predigt verstehe, zumindest bei den Gebeten und dem Hochgebet spürt man, was an der Reihe ist. Das ist der Vorteil einer einheitlichen Liturgie weltweit.

Tag 12 - Pilgerherberge Seminario (c) Die Jakobspilgerin

Wir verabreden uns zum Abendessen und dann geht jeder erst einmal zu seiner Herberge. Ich habe ein Bett etwas außerhalb der Stadt im Seminario Menor de Belvis gebucht - hier war ich vor Jahren schon einmal, es gibt einen tollen Park mit vielen Sitzmöglichkeiten und man hat eine phantastische Aussicht über die Altstadt von Santiago. Mein Bett steht ganz am Ende des Ganges, der Nachmittag ist mit Duschen, einem Nachmittagsnickerchen (nach 2 Wochen gelingt dies selbst wenn immer mal wieder jemand durchs Zimmer läuft)  und dem Sortieren all meiner Habseligkeiten angefüllt.

Tag 12 - letztes Pilgermenü (c) Die Jakobspilgerin

Auf dem Weg zum Restaurant schlendere ich noch was an den unzähligen Andenkenläden vorbei. Dann treffe ich Jennifer und wir schließen den Abend mit einem letzten Pilgermenü ab. So unterschiedlich wir sind, beide beschäftigt uns der Gedanke, ob uns dieser Weg wohl etwas gebracht hat, ob es Veränderungen in unserem Leben geben wird. Wir nehmen Abschied voneinander, unsere Wege kreuzten sich, wir waren einige Tage Weggefährten und nun geht wieder jeder seines Weges.

Tag 12 - Pilgerbuch (c) Die Jakobspilgerin

Auf dem Weg zu meiner Herberge hole ich mir noch eine Flasche Wein, setze mich in einen der Sessel auf dem Flur  und schreibe Tagebuch, lasse meinen Pilgerweg anhand der Pilgerstempel noch einmal revue passieren. Ich blättere im Tagebuch, so viele Erlebnisse, so viele Menschen mit ihren Lebensgeschichten getroffen, die mich immer wieder zur Reflexion meines eigenen animiert haben. Ein absolut bereichernder Weg. Schade, dass ich schon am Ziel bin.

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