Predigt des Weihbischofs Ansgar Puff

03.05.19 22:00
Sara und Judith Haneke

Aus dem Gedächtnis wiedergeben

Firmung 2 Liebfrauen 2019 Predigt (c) Uwe Pöge

Vor einigen Monaten waren einige von euch bei mir zu Hause und wir haben ein wenig miteinander geredet. Ihr habt mir Fragen gestellt und ich habe euch gefragt. Ich weiß nicht, ob ich euch die Frage gestellt habe, denn ich stelle sie sehr oft, nämlich fragte ich einen Jugendlichen: „Warum möchtest du dich firmen lassen?“

Doch statt zu antworten, stellte er mir eine Gegenfrage: „Ehrliche Antwort?“ „Hm, ja“ antwortete ich überrascht. „Meine Oma hat zu mir gesagt: „Wenn du dich firmen lässt, bekommst du von mir ein Geschenk.“
Ich bin ein neugieriger Mensch und wollte wissen, was die Oma ihm denn schenken wird. „Wenn du dich firmen lässt, bekommst du von mir 500 Euro.“ „Was, so wenig“, ist es mir herausgerutscht. „Wenn du dich firmen lässt, bekommst du doch viel mehr: Du bekommst den Heiligen Geist.“
„Lieber Weibischof, was ich mit 500 Euro mache, weiß ich ganz genau. Ich kaufe mir ein paar schicke Klameotten, gehe mit meinen Freunden aus und den Rest spare ich für mein neues I- Phone. Das ist nämlich ganz schön teuer. Was aber mache ich mit dem Heiligen Geist?“

Ich stutzte. Mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet. Da wusste ich erste einmal nicht, was ich sagen sollte. Daher antwortete ich: „Oh, da hast du mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich gebe die Frage weiter. Ich gebe die Frage weiter an jemanden, der es wissen muss. Fragen wir mal Jesus.

Jesus sagt: „Wer den Heiligen Geist bekommt, der bekommt die Auferstehung.“

Auferstehung? Jetzt haben wir ja gerade Ostern gefeiert. Das ist für uns Priester eine schwierige Zeit. Da sprechen wir oft von Auferstehung und es ist gar nicht so einfach zu erklären, was damit gemeint ist. Ich ging an einem Bahnhofskiosk vorbei und las die Schlagzeile: Das ist Auferstehung.
Prima, habe ich mir gedacht. Das muss ich unbedingt lesen. In dem Artikel ging es um ein Mädchen: Sofia Flörsch. Sie war 17 Jahre alt und hat gerade ihr Abitur gemacht. Sie hatte einen Traum: Sie wollte die erste Frau in der Formel1 werden. So befand sie sich eines Tages auf dem Nürburgring in einem Formel 3 – Rennen. Sie stieg in das Auto, setzte den Helm auf und gab Gas. 200 km/ h, 220 , 240. Bei 267 km/h flog sie aus der Kurve, die Fangnetze hielten sie auch nicht mehr und sie raste mit voller Wucht in den Turm, in dem die Presse sitzt. Ab dann weiß sie nichts mehr.
Als sie wieder aufwacht, sagen die Ärzte zu ihr: „Stopp, nicht bewegen. Du hast Brüche in 3 Halswirbeln. Wenn du dich auch nur einen Millimeter bewegst, bist du vom Hals an abwärts gelähmt."
Am nächsten Tag wird sie 11 Stunden lang operiert, hat Schmerzen, bekommt Morphium und ihr ist kotzschlecht. Am übernächsten Tag sitzt sie im Rollstuhl. Am 3. Tag steht sie auf.

Drei Monate nach ihrem Unfall steigt sie wieder in das Auto, setzt den Helm auf und gibt Gas. Plötzlich hört der Mechaniker an der Rennstrecke ein komisches Geräusch aus dem Inneren des Autos. Er kann es nicht einordnen. Dann plötzlich merkt er, was das Geräusch verursacht: Jenny Flörsch lacht. Das ist Auferstehung.

Ich habe lange über den Artikel nachgedacht und war sehr beeindruckt. Aber irgendetwas hat mich gestört. Nach einiger Zeit wusste ich, was mich störte. Es war der Begriff „Auferstehung“.

Glaubt mir, ich freue mich wirklich, dass Jenny Flörsch diesen schlimmen Unfall so gut überstanden hat und weiter ihren Traum von der Formel 1 verwirklichen kann. Aber Auferstehung ist etwas anderes:

Jenny Flörsch hat ihr altes Leben weitergeführt. Sie hat da weitergemacht, wo sie aufgehört hat. Wenn du abends ins Bett gehst, nachdem du deine Klamotten auf den Boden geschmissen hast, dann liegen sie am nächsten Morgen immer noch da herum. Oder wenn du deine Hausaufgaben nicht gemacht hast, weil du keine Lust hattest, dann sind sie am nächsten Tag immer noch nicht gemacht.

Auferstehung ist etwas neues. Als Jesus nach seinem Tod den Jüngern begegnet ist, konnte er durch geschlossene Türen gehen, hat gegessen und getrunken. Er war in einer zweiten Wirklichkeit mit einem neuen Leib. Eine Realität, die wir uns jetzt noch nicht vorstellen können.

Aber, liebe Jugendliche, glaubt nicht, dass Auferstehung so etwas frommes ist, das am Ende des Lebens passiert. Auferstehung beginnt schon mit der Taufe. Wer von euch kann sich noch an seine Taufe erinnern? Niemand wahrscheinlich. Zu eurer Zeit wurden die Kinder noch im Kleinkindalter oder als Baby getauft. Früher war das anders. Aber dennoch bekamen die Menschen keinen neuen Körper, wenn sie getauft worden waren. Die Nase, die zu groß oder der Hintern, der zu dick war, wurde nicht plötzlich kleiner oder dünner. Trotzdem beginnt die Auferstehung mit der Taufe.

Stell dir mal einen Freitagabend vor. Du kommst nach Hause, die Stimmung ist komisch. Deine beiden Eltern sind da. Normalerweise ist immer nur einer von beiden da. Und dann sagen sie auch noch „Wir müssen mal vernünftig miteinander reden.“ So etwas ist ja schon ewig nicht mehr passiert. Sie sagen, dass sie sich in letzter Zeit ja nicht mehr so gut verstehen, dass sie sich aus dem Weg gehen, getrennte Schlafzimmer haben und der Kurs „Faires Streiten in der Ehe letztes Jahr hat auch nichts gebracht." Eigentlich sind sie nur noch wegen dir zusammen. Jetzt aber habe sich die Situation geändert. Der Papa hat eine neue Partnerin und zieht am Montag aus.
„Gut“, denkst du, „sollen sie machen, sind ja erwachsene Leute“.
Dann aber sagen sie noch etwas. „Du musst dich jetzt für einen von uns entscheiden, bei wem du leben möchtest. Wir können dir nicht in jeder Wohnung ein Zimmer einrichten, so reich sind wir nicht.“
Und da merkst du: Das arme Opfer an der ganzen Sache bist du. Da stirbt ein Stück von dir, da stirbt dein Zuhause. Das ist wie ein kleiner Tod. Du lässt einen coolen Spruch los, gehst in dein Zimmer, knallst die Tür und könntest einfach nur losheulen.

Bei der Firmung sage ich zu euch „Sei besiegelt“. Schon wieder so ein komisches Wort. Was ist denn das – besiegeln?

„Wer von euch hat eine Katze?“….. Und wie heißt die? „Sweety, aha.“ Okey, eines Abends kommt Sweety nicht nach Hause. Auch am nächaten Morgen ist sie nicht da und auch am übernächsten Tag nicht. Sweety ist weg. Vielleicht ist sie irgendwo eingesperrt oder angefahren oder tot. Nachdem du auf sämtlichen Social Medias gepostet hast und sich keiner gemeldet hat, schreibst du einen Zettel. In der Nachbarschaft gibt es noch viele ältere Leute, die mit Social Medias nichts anfangen können.

Du nimmst ein Blatt Papier mit einem Foto von deiner Katze, einer Belohnung von sagen wir mal 50 Euro und deiner Telefonnummer und hängst die Zettel in deiner Gegend an Laternenmaste, Bäume  und andere geeignete Stellen. Dein Pech nur, dass es zwei Stunden, nachdem du fertig bist, anfängt zu regnen. Der Zettel ist total durchgeweicht und unleserlich. Du schreibst also einen neuen Zettel: Plastikfolie auf die eine Seite, Plastikfolie auf die andere Seite und alles zusammen in die Laminiermaschine. Jetzt hängst du den Zettel wieder auf. Jetzt kommt an ihn nichts mehr dran. Jetzt ist er geschützt. 

So ist das auch bei der Firmung: Besiegeln ist nichts anderes als laminieren. In dir wird das Vertrauen auf Gott geschützt. Da kommt nichts mehr dran. Es ist nicht so, dass plötzlich „Wusch...“ alles anders ist. Deine Eltern ziehen nicht wieder zusammen, du musst dich wirklich entscheiden, bei wem du wohnen möchtest. Aber  dann wirst du  merken, dass du nur noch bei einem wohnst, dass sie aber beide noch deine Eltern sind, die dich lieben. Vielleicht verstehst du dich mit ihnen besser als vorher als diese komische Stimmung immer zu Hause herrschte. 

Das alles passiert durch den Heiligen Geist. 

Aber er fordert auch etwas von uns. Wir sollen Zeugen sein. Das heißt jetzt nicht, dass du dich auf den Schulhof auf eine Bierkiste stellen sollst, so nach dem Motto „ich bin jetzt gefirmt, ich erkläre euch jetzt mal die Sache mit dem Heiligen Geist“. Das funktioniert so nicht, da lachen die anderen nur.

Zeuge sein kannst du auf dem Rückweg vom Sportplatz, wenn dein bester Freund dich fragt: „Sag mal, als sich vor einem halben Jahr deine Eltern getrennt haben, da hast du das so gut weggesteckt. Ich habe zwar gemerkt, dass du traurig bist, aber irgendwie bist du doch ganz gut damit klar gekommen. Jetzt ist es bei mir so: Meine Eltern trennen sich und ich komme damit überhaupt nicht klar. Ich weiß nicht, was ich machen soll. …. Nein halt, sag nichts, ich weiß die Antwort schon. Was hast du genommen?“
Du antwortest dann: „Nein, ich habe keine Drogen genommen. Ich hatte etwas viel besseres. Das war die Zeit meiner Firmung. Ich habe den Heiligen Geist bekommen. Und das kannst du auch haben. Ich schlepp dich mit zur Gemeinde, der nächste Firmkurs ist deiner.“

Das ist Zeuge sein. Glaubt mir, ich freue mich, wenn ihr tolle Geschenke, 500, 600 oder auch 700 Euro bekommt. Aber das ist alles nichts gegen das Geschenk der Auferstehung.

Kirchengemeinde St. Servatius

Mühlenstraße 6
53721 Siegburg

In Notfällen:
0152 54136030

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